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Tanzen hier ehemalige Sowjetbürger, Russländer, Russen - oder vielleicht Kaliningrader? (Foto: ld/.rufo)
Tanzen hier ehemalige Sowjetbürger, Russländer, Russen - oder vielleicht Kaliningrader? (Foto: ld/.rufo)
Dienstag, 26.10.2010

Neuer Volksstamm in Russland: Die „Kaliningrader“

Kaliningrad. Bei der am Montag beendeten Volkszählung haben im Gebiet Kaliningrad mehrere Menschen als ihre Nationalität „Kaliningrader“ angegeben. Die Exklave an der Ostsee scheint ihr eigenes Völkchen zu gebären.

Bei der Volkszählung konnte jeder Befragte seine ethnische Zugehörigkeit selbst bestimmen, die Volkszähler sollten eintragen, was ihnen genannt wird. Eine Liste der „zulässigen Nationalitäten“ gab es nicht, auch werden keinerlei Nachweise der ethnischen Zugehörigkeit gefordert.

Bei Russland-Aktuell
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• Kaliningrad: Kirche in Arnau geht nicht an Orthodoxe (08.10.2010)
• Rückkehr zu den Wurzeln: Patriarch in Kaliningrad (04.10.2010)
• Schichtwechsel in Kaliningrad: Boos geht von Bord (27.09.2010)
• Wiederauferstehung des Königsberger Schlosses? (22.06.2010)
Wie Galina Tschurikowa, der Leiterin der Kaliningrader regionalen Abteilung der Statistikbehörde RosStat erklärte, hätten sich auf diese Weise einige Befragte im Gebiet Kaliningrad zu „Kaliningradern“ erklärt. Wie viele Menschen sich so identifizieren, konnte sie nicht sagen, es habe aber eine ganze Reihe solcher Fälle gegeben.

Bislang galten 82 Prozent als "Russen"


Ganz offenbar wirkt sich die zwei Jahrzehnte dauernde Isolation der von Polen und Litauen umgebenen russischen Exklave mittlerweile auf das Selbstverständnis der etwa 950.000 Bewohner aus.

Bei der letzten Volkszählung 2002 hatten sich etwa 82 Prozent der Bewohner des Bernsteinlandes als Russen und je 5 Prozent als Weißrussen und Ukrainer bezeichnet. Nach Litauern und Armeniern stellten Deutsche mit 0,9 Prozent die sechstgrößte Bevölkerungsgruppe.

Aber sofern es sich nur um Einzelfälle und kein Massenphänomen handelt, werden die neuen Angehörigen des Kaliningrader-Volkes in der aktualisierten Statistik wohl auch nur in der Rubrik „Sonstige“ aufgehen. So wie auch alte Pruzzen oder Ostpreußen, die sich beim Zensus vielleicht auch noch gefunden haben ...



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Peter 27.10.2010 - 17:12

Kaliningrad in die EU

KALININGRAD OBLAST ALS TEIL DER EUROPÄISCHEN UNION?


Ich beziehe mich auf den sehr lesenswerten Beitrag von Igor Kowaljow in der Oktober-
Ausgabe der Königsberger Allgemeinen mit der Überschrift:“ Kaliningrader Region als EU-Mitglied
und Sonderstatus für deren Bürger – Wer übernimmt das Mandat?“
In diesem Artikel greift Igor Kowaljow ein Thema auf, das vielen Bürgern, die in der Stadt
Kaliningrad oder im übrigen Gebiet der Kaliningrader Sonderwirtschaftszone leben, sehr auf
den Nägeln brennt: nämlich Reisefreiheit ohne Visumzwang in die Länder der Europäischen
Union, in deren Mitte dieser Teil der Russischen Förderation liegt. Igor Kowaljow
greift damit ein viel umfassenderes Thema auf, wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst gewesen
zu sein! Nämlich den unnatürlichen Status, den die Kaliningrader Region durch die
geopolitische Entwicklung im vorigen Jahrhundert erhalten hat. Und die daraus resultierende
Überlegung, wie man diesen Status an die Gegebenheiten, so wie sie heute existieren, anpassen
kann.
Alle Überlegungen, die Igor Kowaljow hinsichtlich einer priviligierten Visum-Freiheit für
Bürger der Russischen Förderation, die im Kalingrader Bezirk leben, anstellt, sind nicht realisierbar!
Der Hauptgrund dafür sind die Sicherheitsinteressen der Europäischen Union. Würde es Visum-
Freiheit zur Einreise in das Gebiet der Europäischen Union geben, wäre dies das „Loch
im Zaun“, durch das auch unerwünschte Reisende über das Staatsgebiet der Russischen
Förderation in die Europäische Union unkontrolliert einreisen könnten. Das kann und wird die
Europäische Union niemals zulassen. Und die „kleine Grenzübergangs-Regelung“, wie sie
Igor Kowaljow vorschlägt, befriedigt bei weitem nicht das Reisebedürfnis der Einwohner von
Kaliningrad Oblast. Was nützt es, wenn diese nach Polen fahren können, sich aber nur in einem
grenznahen Bereich auf polnischem Staatsgebiet bewegen dürfen, der noch nicht einmal
Gdansk/Danzig einschließt. In so weit ist der Artikel von Igor Kowaljow nicht hilfreich.
Trotzdem ist er hochbrisant!
Denn sein Wert liegt in der Tatsache, dass Kowaljow grundsätzliche Fragen der Freizügigkeit
für die Bürger Kalingrads aufwirft! . Ich habe bei meinen Besuchen in Kalingrad immer
wieder Bürger getroffen, die mir ihren Wunsch mitteilten, eines Tages zu erleben, dass die
Grenzen fallen und sie in den Mitgliedsländern der Europäischen Union reisen, leben, wohnen
und arbeiten können, wo und wohin sie wollen. Wie aber soll das ohne Zustimmung Moskaus
möglich sein? Diesen Gedanken greife ich auf und mache ihn zum Gegenstand meines Artikels.

Lagebeurteilung:
Das ehemalige deutsche Ostpreußen ist heute Staatsgebiet der Russischen Förderation. Gegen
den Willen der Russischen Förderation ist daran niemals etwas zu ändern! Deutschland
hat einen verbrecherischen Krieg gegen die Sowjetunion geführt. 23 Millionen russische
Menschen haben in diesem Krieg ihr Leben verloren, eine mehrfache Anzahl musste als Invaliden
und Krüppel ihr Leben bewältigen. Die Sowjetunion hat das Gebiet des heutigen Kaliningrad
Oblast erobert und in Besitz genommen. Es stellte damals einen unverzichtbaren
strategischen Stützpunkt im „Kalten Krieg“ dar, denn in Baltisk/Pillau fand die Marine einen
eisfreien Hafen in der Ostsee und konnte von hier aus im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung
mit den Natopakt-Staaten über das Skagerak „ausbrechen“ und Zugang zum Atlantischen
Ozean bekommen, was damals strategisch sehr wichtig war. Außerdem waren alle
benachbarten Staaten sozialistische Republiken der UdSSR, so dass sowjetische Staatsbürger,
die in Kaliningrad Oblast lebten, ungehindert in das russische Mutterland reisen konnten.
Niemand wäre vor 1990 auf den Gedanken gekommen, dass diese Nachkriegsordnung sich
mal ändern könnte.
Sie tat es aber schlagartig mit dem Zusammenbruch der UdSSR, der Verselbständigung der
ehemaligen „sozialistischen Bruderländer“, wie man damals sagte, Polen. Litauen, Lettland
und Estland. Plötzlich war Kaliningrad Oblast wie eine abgerissene Scholle im Polarmeer, mit all den Einwohnern darauf und vor allem – mit dem Stolz der Marine, der Baltischen Flotte.
Die benachbarten „Bruderstaaten“ wandelten sich in demokratische Staaten, beantragten und bekamen die Mitgliedschaftin Europäischer Union und Nato. Mitten drin ein kleines Fleckchen russisches Hoheitsgebiet. Niemanden störte das, allerdings pflegten die benachbarten ehemaligen Mitglied-staaten der UdSSR ihren Hass auf die früheren Unterdrücker und machten es der kleinen russischen Exklave Kaliningrad nicht gerade leicht, in freundschaftlicher
Nachbarschaft zu leben. Das fand zum Beispiel seinen Ausdruck in besonders rigiden Visum-Vorschriften. Die Leid tragenden waren wieder einmal die Menschen in Kaliningrad, die jetzt
eigentlich irgendwie „Vertriebene“ waren in dem Land, aus dem man die Deutschen vertrieben hatte.
Ob berechtigt oder nicht – die Menschen (jetzt nicht nur Russen, sondern auch Aserbeidschaner,
Ukrainer,Kasachen, Mongolen, Georgier usw.) haben das Gefühl, dass Moskau seine „Eisscholle“ im Westen Europas nur wegen des Flottenstützpunktes liebt. Allenfalls auch noch, um einen Fuß in der Tür der Nato zu haben. Kurz und gut: die ganze Situation ist so
unnatürlich, dass man sich schwer vorstellen kann, dass sie auf Dauer Bestand hat. Der frühere
militärische Nutzen existiert nicht mehr. Das soll hier nicht weiter analysiert werden. Der
klimatische Vorteil ist als Folge des Klimawandels auch nicht mehr gegeben. Was sollte also
das größte und reichste Land der Erde daran hindern, die Situation neu zu überdenken. Würde
die Russische Förderation morgen Mitglied der Europäischen Union (nicht zu vergessen:
sie ist ja bereits Mitglied des Europarates in Straßburg!), dann wäre das Problem auf einen
Schlag gelöst, welches Gegenstand dieses Artikels ist! Aber solch eine Überlegung ist so absurd,
dass man sie nur humoristisch werten kann.)
Da ich soeben erwähnt habe, dass Russland Mitglied des Europarates ist, berichte ich auch,dass ich beim Europarat im vorigen Jahr persönlich eine Petition eingebracht habe, die Situation
Kaliningrads als Enklave in der Europäischen Union auf die Tagesordnung zu bringen und mit dem Mitglied Russland über Möglichkeiten zu verhandeln, den gegenwärtigen Status des vom Mutterland getrennten geografischen „russischen Blinddarms“ für alle Beteiligten
einverständlich zu verbessern. Wie auch immer.

Meine Ausführungen bergen unzählige „Stolperfallen\" in Form von Missverständnissen. Darum
hier ein für alle Mal:
-Die Lösung des Kaliningrad-Status ist einzig und allein Sache der russischen Bürger, die hier leben, und der russischen Staatsführung. Jede andere Sicht wäre Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten.
- Hier geht es nicht um revanchistische Gedanken, nicht um Grenzverschiebung zugunsten
anderer Staaten, nicht um die Wiederherstellung alter Grenzen, nicht um Revisionismus.
- Mir geht es nicht um den Blick zurück auf Zeiten, wo hier noch deutsche Heimat war. Sondern
um den Blick voraus in eine Zukunft, wo Menschen frei und friedlich zusammen leben
und wo Grenzen keine Bedeutung mehr haben. Siehe Beispiel Europäische Union
-Aber ich wage den Schritt, zu behaupten, dass deutsche Menschen, die familiäre Wurzeln in
einem Gebiet haben, welches 700 Jahre lang zumindest zeitweise die fruchtbarste deutsche
Provinz war, mehr als Angehöriger anderer Nationen das Recht haben, sich für das Schicksal dieses herrlichen Teils Europas zu interessieren. Aber immer unter besonderer Beachtung der wirtschaftlichen, politischen und strategischen Interessen der Russischen Förderation!
Ich schließe diesen Teil meiner Analyse in der Hoffnung, dass auch solche Menschen, die
meine Ausführungen kritisch sehen, mir dieses Bekenntnis abnehmen.
Alternativen zur heutigen Situation
Die Russische Förderation hatte die Möglichkeit, nach dem Zusammenbruch der UdSSR und
der damit verbundenen Abtrennung der Kaliningrad-Provinz diese zu einem „Schaufenster Russlands im Westen“ zu machen. Ich meine damit:
- sofortige Abschaffung bolschewistischer Namen. (Beispiel: Kalin war einer der größten Verbrecher der Sowjetunion; deshalb hat das demokratische Russland die Stadt Kalinin sofort umbenannt in Twer. Warum kannte es dann keine Gnade für „Kaliningrad“? Einen solchen
Namen hatte die altehrwürdige Stadt Königsberg (Heimat des Philosophen Emanuel Kant) am
allerwenigsten verdient! Ich möchte wetten, in ganz Russland gibt es keinen Ort mehr, der
„Sowjetsk“ heißt! Und so könnte ich die Beispiele beliebig mehren).
- Kaliningrad Oblast verfügt über riesige landwirtschaftliche Flächen, die brach liegen. Durch
die Zerstörung der alten Drainage-Anlagen ist der Boden sauer und verunkrautet. Ein großzügiges
Verfahren zur Wiederherstellung der genialen alten Anlagen wäre sicher teuer gewesen,hätte heute aber auch durch die Nutzung als landwirtschaftliche Flächen viel Gewinn gebracht.
- Jeder, der so oft nach Kaliningrad fährt wie ich, kennt die unterschiedlichen „Gesichter“ des Landes. Während die Stadt Kaliningrad bewundernswert schöne Stadtteile geschaffen hat und
am Aufbau des ehemaligen Königs-schlosses sowie der Altstadt arbeitet, ist es auf dem Lande
zum Verzweifeln traurig! Die Dörfer sind leer, weil die jungen Leute dahin gegangen sind,
wo sie Fortkommensmöglichkeiten sehen; zurück geblieben sind alte und kranke und faule Menschen, die sich die Zeit mit Trinken und Kinder kriegen vertreiben. Das Elend hätte man schon lange beseitigen können, um das Gebiet für Gewerbetreibende und Touristen aus westlichen
Ländern attraktiv zu machen. Es geschah aber so gut wie Nichts!
Ich will es bei diesen Beispielen belassen, obwohl mir noch viele andere auf dem Herzen liegen.
Sie zeigen aber, wie wenig Interesse die Regierung in Moskau an Kaliningrad Oblast als „Schaufenster des Westens“ hat. Und daraus ergibt sich zwangs-läufig die nächste Frage: welches wirkliches Interesse hat Moskau an Kaliningrad Oblast?
Ich vermute:
Es ist das Faustpfand eines einst großen Sieges über den Faschismus in Deutschland. Wirtschaftlichen oder politischen Nutzen kann ich kaum erkennen, und viel Geld kostet dieses Symbol auch noch.

Modell eines möglichen neuen Staates:
-Kaliningrad Oblast bildet einen eigenen Staat. Löst sich also vom russischen Mutterland. Das
kann geschehen, indem eine Volksabstimmung stattfindet. Ergibt diese eine Mehrheit für eine Loslösung vom Mutterland, wird die russische Regierung gebeten, einer solchen zuzustimmen.
Das dürfte dem größten Land der Erde nicht schwer fallen. Russland hat 17.075.400
qkm Fläche. Kaliningrad Oblast gerade mal 15.125 qkm – das sind weniger als 0,1 % von
Gesamt-Russland!
- der neue Staat nennt sich nach der indigenen (Ur-)Einwohnerschaft dieses Gebietes „Prussia“ oder so ähnlich.
- „Prussia“ beantragt die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und wird (nach heutigem Stand) 28.Mitgliedstaat derselben.
-Nun können die Grenzen fallen, ohne dass das Schengener Abkommen unterlaufen werden kann. Während die Europäische Union zur Zeit wegen Kalingrad zwei Außengrenzen (Polen und Estland) schützen muss, gäbe es dann nur noch eine in Estland. Insoweit hätte auch die Europäische Union ein Interesse an einer solchen „Flurbereinigung“
-Als Mitglied der Europäischen Union erhält Prussia finanzielle Mittel aus Brüssel zumWiederaufbau
maroder Strukturen. Russland kann seine Flotte jetzt nach St. Petersburg verlegen,oder sie lassen, wo sie ist (wie in Sewastopol). Dann müsste Russland allerdings ein Pachtabkommen
mit „Prussia“ abschließen und Pacht bezahlen. Weitere Einnahmequellen wären Bernstein und Erdöl,Industrie (BMW),Handwerksbetriebe, Geschäftsleute, Dienstleister
usw.

Warum sollte die Russische Regierung einer solchen Entwicklung zustimmen?
– Weil es den Menschen in der Region dient!!!
-Weil das die zwangsläufige Folge der geopolitischen Entwicklung in den vergangenen 20
Jahren ist.
– Weil Moskau eine unwirtschaftliche Provinz abstößt und sich durch ein solches „Bauern-Opfer“ hohes internationales Ansehen erwirbt. (Russen sind ja berühmt als Schachspieler)
Ich muss jetzt mal an die Zeit 1990 erinnern. Wer hätte nur wenige Monate zuvor zu wetten
gewagt, dass die UdSSR aufhört zu bestehen, dass Deutschland wiedervereinigt wird, dass die
ehemaligen Sowjetrepubliken in die Nato aufgenommen werden? Das war doch eine nicht ernst zu nehmende Vision! Und doch wurde sie Realität. Als studierter Historiker weiß ich,dass Geschichte niemals statisch war und es nie sein wird! Auch hier gilt:“Panta Rei“ (Alles fließt) Zudem sind die meisten Grenzen künstliche Gebilde, geschaffen von Menschen gemäß den jeweiligen Machtverhältnissen. Mir ist keine von Menschen geschaffene Grenze bekannt, die ewig existierte (Ausnahme: natürliche Grenzen, wie Berge, Wasser usw.).
Wer 1990 erlebt hat, hat den Glauben wieder gewonnen, dass alles möglich ist. Warum sollte
es also nicht denkbar sein, dass Moskau (nach einer entsprechenden Volksabstimmung) einlenkt und hilft, die europäische Landkarte ein Stück aufgeräumter zu gestalten.


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