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Generalkonsul Rolf Friedrich Krause will die Kaliningrader Bildungskooperation mit Deutschland stärken (Foto: tp/.rufo)
Generalkonsul Rolf Friedrich Krause will die Kaliningrader Bildungskooperation mit Deutschland stärken (Foto: tp/.rufo)
Dienstag, 20.11.2012

Neuer Generalkonsul Krause: Mehr in die Zukunft schauen

Kaliningrad. Der neue Generalkonsul Rolf Friedrich Krause will sich für eine Intensivierung der Hochschul-Kooperationen und verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der russischen Exklave und Deutschland einsetzen.


„Mehr Zukunft, weniger Vergangenheit“, so fasst der 56-Jährige die generelle Ausrichtung seiner vorerst vierjährigen Amtszeit als Chefdiplomat in Russlands westlichster Region zusammen.

Die deutsch-russische Erinnerungskultur in Kaliningrad sei mittlerweile ausgeprägt entwickelt, meint Krause. Natürlich werde das Generalkonsulat auch weiterhin das öffentliche Gedenken an historische Ereignisse im einstigen Königsberg begleiten. So geschehen gerade am deutschen Volkstrauertrag, an dem Krause erst an der Gedenkstätte der 1200 Gardisten und anschließend auf dem Internationalen Kriegsopfer-Friedhof in der Newskistraße Kränze niederlegte.

Und in der kommenden Woche erinnert die Gesandtschaft sogar in eigener Sache: Am 30. November gibt es im Deutsch-Russischen Haus ein Gedenkkonzert zu Ehren des ersten, 2011 in Berlin verstorbenen Generalkonsuls in Kaliningrad, Cornelius Sommer.

Bildung auch in Kaliningrad Schlüsselthema


Doch einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Rolf Friedrich Krause auf dem Feld der deutsch-russischen Gedächtniskultur eher nicht. Umso mehr dafür in einer Stärkung der Bildungskooperation zwischen Kaliningrader Universitäten und Partner-Hochschulen in Deutschland und Europa.

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Einen ersten konkreten Aspekt hat der Diplomat bereits im Blick: den Umgang mit Fremdsprachen. Nicht dass er an den Fremdsprachenkenntnissen Kaliningrader Studenten etwas auszusetzen hätte, die seien nach seinem bisherigen Erleben durchaus vorzüglich, sagt er. „Aber viele trauen sich nicht, sie anzuwenden aus Angst, dabei Fehler zu machen.“

Krause will das russische Bildungssystem nicht umkrempeln. Das ist nicht sein Ansatz. Er will den internationalen Austausch der Kaliningrader Hochschulen fördern, damit die Studenten sich mit einem anderen Selbstverständnis von Studieren und Lernen auseinandersetzen – und umgekehrt, Professoren aus dem Westen. „Ich werde natürlich versuchen, Kollegen als Dozenten nach Kaliningrad zu locken.“ Bildung sei in Russland wie in Europa ein Schlüsselthema für die Zukunft.

Das Engagement des neuen Konsuls für die universitäre Kooperation kommt nicht von ungefähr. In Budapest, seinem letzten Dienstort als Gesandter des Auswärtigen Amtes, arbeitete der Norddeutsche als Professurleiter „Diplomatie“ an der deutschsprachigen Andrassy-Universität Budapest.

Bald als Gastdozent an der Kant-Uni


Womöglich schon bald wird er selbst wieder vor Studenten stehen – an der Kaliningrader Immanuel-Kant-Universität. Gleich bei seinem Antrittsbesuch warb ihn Rektor Viktor Klemeschew als Gastdozenten. In einem ersten Vortrag wird Krause, in Deutsch oder Englisch, wohl etwas über seine 20-Jährige Arbeit als Diplomat der Bundesrepublik erzählen – eine Laufbahn, die ihn unter anderem lange Zeit nach Afrika führte.

In der Fortsetzung seines Kaliningrader Uni-„Nebenjobs“ könnte er gut in sein ursprüngliches Fachgebiet umsteigen. Rolf Friedrich Krause ist von Hause aus Geograf, seine erste Doktorarbeit schrieb er über die „Stadt im Orient“. Gerade vor dem Hintergrund des städtebaulich-architektonischen Spannungsfeldes, in dem sich das einstige Königsberg befindet, wäre das Thema „Stadtgeografie“ ein gewiss reizvolles Thema.

Die Stadt Kaliningrad in ihrer Widersprüchlichkeit scheint ihn durchaus zu faszinieren, auch wenn Krause nach bisher knapp zwei Monaten seiner Amtszeit quasi noch dabei ist anzukommen. Von der Tristesse, wie sie vorzugsweise von deutschen Journalen in ihren Kaliningrad-Reportagen beschrieben respektive bebildert wird, spricht der Diplomat in seinen ersten Eindrücken jedenfalls nicht. „Man spürt hier eine große Aufbruchstimmung, das war fast jedem anzumerken, mit dem ich bisher gesprochen habe.“

Kaliningrad sei ein spannender Ort, mit noch vielen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa.

Wirtschaftsförderung von unten


Die wirtschaftliche Kooperation zwischen der russischen Ostsee-Exklave und Deutschland zu befördern, sieht er darum als zweiten wichtigen – und zukunftsträchtigen – Schwerpunkt als Generalkonsul an.

Noch hängt das Amtsschild in der Leningradskaja Uliza (Foto: tp/.rufo)
Noch hängt das Amtsschild in der Leningradskaja Uliza (Foto: tp/.rufo)
Und hat dabei vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Fokus: „Sagen wir so, Siemens davon zu überzeugen, seine Konzernzentrale nach Kaliningrad zu verlegen, wird wohl eher schwierig werden. Mit anderen Worten, die Biggies bekommen wir hier nicht her. Die gehen nach Moskau oder nach Sibirien, da wo die großen Rohstoffressourcen sind. Aber für die kleinen und mittelständischen Firmen aus Deutschland liegt die Exklave und Sonderwirtschaftszone Kaliningrad doch nahe. Und da ist noch viel Luft nach oben.“

Als erstes müsse es einmal darum gehen, die Standortvorteile Kaliningrads realistisch herauszuarbeiten und für potenzielle Investoren darstellbar zu machen, dazu vor Ort ein kompetentes Informations- und Beratungsnetzwerk aufzubauen. Natürlich gäbe es bereits Strukturen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, räumt Krause ein, die Hamburger Handelskammer, die Föderation ausländischer Unternehmer: „Doch das Resultat zeigt ja, es passiert augenscheinlich noch nicht genug.“

Ähnlich sei es auf dem Feld der Landwirtschaft. „Warum liegt hier soviel Land brach? Es gibt ja, wie ich höre, durchaus Landwirte in Deutschland, die daran interessiert sind, sich hier zu betätigen. Da voran zu kommen, ist ein Ziel meiner Arbeit hier, neben der konsularischen Tätigkeit natürlich.“

Neues Konsulat: Eröffnung nun Mitte 2013?


Und da hat Rolf Friedrich Krause vorerst eine eigene Baustelle auf dem Tisch: die des künftigen Konsulatsgebäudes in der Thälmannstraße 14. Er ist der mittlerweile vierte Generalkonsul, der sich mit diesem leidigen Thema herumschlagen muss – und wirkt daher auch leicht genervt, wenn er auf diese Frage angesprochen wird.

Ewige Baustelle: Das neue deutsche Konsulatsgebäude soll nun im Sommer 2013 bezugsbereit sein (Foto: tp/.rufo)
Ewige Baustelle: Das neue deutsche Konsulatsgebäude soll nun im Sommer 2013 bezugsbereit sein (Foto: tp/.rufo)
Fast alle haben sie ihm gestellt in seinen vielen Kaliningrader Antrittsbesuchen, Journalisten, Abgeordnete, der Bürgermeister, der Gouverneur: Wann wird das deutsche Konsulat denn nun endlich fertig?

„Im Sommer 2013 eröffnen wir es, davon kann man fest ausgehen“, sagt Krause. Einen Termin nennt er nicht, absichtsvoll, unter anderem aus logistischen Gründen: „Wenn wir umziehen, werden wir das Konsulat für ein paar Tage schließen müssen, also auch die Visastelle. Das mitten im Sommer zu tun, wenn die meisten Visaanträge eingereicht werden, geht nicht.“

Ginge es nach Krause, wäre die Eröffnung noch vor dem Sommer erledigt. Doch zu unberechenbar ist das Bauprocedere mit den umständlichen, zeitraubenden Ausschreibungen.

Auch am neuen Dienstsitz nicht mehr Visa


Gegenüber der örtlichen Presse hat der Konsul die Erwartung auch schon einmal gedämpft: Auch am neuen Sitz wird das Generalkonsulat nicht mehr Visa ausstellen als jetzt schon am provisorischen Sitz in der Leningradskaja, wo es auch in diesem Jahr wieder um die 22 000 Schengen-Visa sein werden. Mit dieser Größenordnung sei auch künftig zu rechnen.

Auch für öffentliche Veranstaltungen sei das neue Gebäude nur bedingt geeignet – aus Gründen der bautechnischen Sicherheit. Denkmalpflege und Auflagen etwa des Brandschutzes kamen sich in der Bauphase mehr als einmal ins Gehege. So begrenzt die Innentreppe die Anzahl der Personen, die sich zeitgleich in der historischen Jugendstil-Villa aufhalten dürfen – denn eine Feuerschutztreppe für den Notfall durfte an der denkmalgeschützten Fassade nicht installiert werden.

Rolf Friedrich Krause lässt durchblicken, dass er sich besser geeignete Gebäude hätte vorstellen können. Doch das sei nun kein Thema mehr. Für ein Sommerfest, wie es Tradition ist in vielen deutschen Auslandsvertretungen, gäbe es den Garten, und überhaupt:

„Wichtig ist doch etwas ganz anderes an dem Bau. Er zeigt, dass wir als deutsches Generalkonsulat in Kaliningrad vorhaben zu bleiben. Für die Menschen hier ist das gewiss ein positives Signal.“



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Uwe Niemeier 20.11.2012 - 08:47

... und nochmal, herzlich willkommen, Herr Dr. Krause

in vorangegangenen Kommentaren hatte ich diesen Wunsch schon übermittelt und auch Erfolg in der Arbeit in den kommenden Jahren gewünscht.

Sie haben mir vor wenigen Tagen die Möglichkeit eines Gedankenaustausches mit Ihnen in Ihrem Kabinett gegeben. Im Gespräch klangen eine Reihe von Themen an, sowohl zur Grenzsituation, dem Treffen im Rahmen des Petersburger Dialoges, wie auch wirtschaftliche Themen.

Ich habe Ihr Kabinett verlassen in einer gewissen «Hochstimmung». Mein Eindruck, dass Sie mit frischen, neuen und originellen Gedanken Ihre Arbeit in Kaliningrad ausfüllen wollen, wird durch dieses Interview von Th. Plath nur bestätigt.

Der Gedanke, als Dozent in der KANT-Universität Vorlesungen zu halten – ehrlich gesagt, hat es mir ein wenig die Sprache verschlagen – ein so einfacher Gedanke, und so effektiv und Sie haben die Jugend Kaliningrads kompakt versammelt – wo schafft man das sonst in so einfacher Organisationsform!

Ja, Sie haben auch recht damit, dass es eine Reihe von Wirtschaftsvereinigungen in Kaliningrad gibt, die sich um ausländische Investoren kümmern. Was wir jetzt brauchen ist einfach nur ein wenig mutigere Deutsche, die einfach mal zu einem Schnupperaufenthalt zu uns kommen und mit den Deutschen sprechen, die hier schon vor Ort sind. Wie der Genosse Lenin schon sagte: Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition.

Sie sprechen von der Notwendigkeit eines kompetenten Beratungs- und Informationsnetzwerkes in Kaliningrad. Ja, ich sehe das auch so. Und – es ist gar nicht so schwer das zu schaffen. Im – mehr privaten Bereich – haben wir schon den Trefftisch Deutschsprachiger, wir haben das Deutsch-Russische-Haus und nun noch eine Ergänzung zu schaffen zur Hamburger Handelskammer, z.B. in Form eines Business-Clubs ... man sollte gemeinsam nachdenken.

Ich brauche nun schon nicht mehr nachzudenken. Während unseres Treffens haben Sie mir einige Stichpunkte vorgegeben – mit Freude und Interesse werde ich diese abarbeiten, «Schag sa Schagom». Ich freue mich auf vier interessante gemeinsame Jahre im königlichen Kaliningrad – Ausrichterstadt der Fussballweltmeisterschaft 2018.


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