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| In Krylowo läuft Vieles anders als in anderen Heimen (Foto: Mischke/.rufo) | |
Montag, 20.06.2005
Neue Wege für behinderte Kinder in Kaliningrad
Kaliningrad. Behinderte führen in Russland immer noch ein Leben am Rande der Gesellschaft. Dass sich auch dort etwas bewegen läßt, beweist das Heim für behinderte Kinder in Krylowo im Kaliningrader Gebiet.
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Sina ist zwanzig. Zusammen mit ein paar anderen behinderten Jugendlichen lebt sie in einer betreuten Wohngemeinschaft in Krylowo, einem kleinen Dorf direkt an der polnischen Grenze. Das renovierte Wohnhaus steht nur ein paar hundert Meter von dem Kinderheim entfernt, in dem Sina die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Heute arbeitet sie dort - sie unterstützt die Betreuerinnen bei der Aufsicht der kleineren Kinder. In ihrer Freizeit singt sie gern. Beim Üben hilft ihr eine Musiktherapeutin.
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Die Vergangenheit sah anders aus
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| Das Kinderheim von Krylowo (Foto: Mischke/.rufo) |
Dass Sina heute ein relativ selbstständiges Leben führen kann und ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert wird, ist keine Selbstverständlichkeit für behinderte Kinder und Jugendliche in Russland.
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Auch in Krylowo sah es vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Das Haus war marode, die zum Teil schwerstbehinderten Kinder lagen den ganzen Tag in ihren Betten, wurden sogar dort gefüttert. 30 pflegebedürftige Kinder und zwei völlig überforderte und dabei schlecht bezahlte Erzieherinnen - Zeit für wirkliche Förderung und Pflege blieb da nicht. Die „Liegekinder“ waren völlig apathisch. „Es galt das Prinzip satt und sauber“ erinnert sich Carsten de la Porte vom Verein „Eine Stadt bringt was ins Rollen“, dessen Mitglieder seit vier Jahren nach Krylowo kommen.
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Der Wille zur Veränderung
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| Sina hilft heute selbst bei der Arbeit (Foto: Mischke/.rufo) | |
Das Angebot der Sozialarbeiter aus Karlsruhe, bei der Ausarbeitung eines pädagogischen Konzepts zur Förderung der Kinder zu helfen, wurde von den Mitarbeiterinnen des russischen Heimes zunächst mit Mißtrauen aufgenommen. Doch in der gemeinsamen Arbeit haben beide Seiten Vertrauen zueinander entwickelt.
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Mittlerweile ist das Heim in Krylowo kaum wiederzuerkennen: Die Kinder verbringen ihre Zeit nicht mehr in den Betten, sondern im Wintergarten oder an der frischen Luft. Es gibt behindertengerechtes Spielzeug, Fahrräder und einen Garten. Massage und Musiktherapie fördern das Wohlbefinden der Kinder. Die Erzieher versuchen, sich stärker in die Kinder einzufühlen und möglichst individuell auf sie einzugehen.
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Neue Perspektiven für Kinder und Mitarbeiter
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Wichtig ist auch, dass die Kinder eine Perspektive für ihr Erwachsenen-Dasein bekommen haben. Denn früher „verschwanden“ die über 18-jährigen Heimbewohner häufig in der Psychiatrie. Heute können die jungen Erwachsenen beim Erreichen der Volljährigkeit in eine der betreuten Wohngemeinschaften im Dorf ziehen und werden soweit wie möglich in die Arbeit des Heims eingebunden. Sie machen sich auf dem Gelände oder in der Wäscherei nützlich, schieben Rollstühle oder passen - wie Sina - auf die kleineren Kinder auf.
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Auch auf die Mitarbeiterinnen hat die neue Arbeits- und Lebensweise im Heim einen positiven Einfluss. Sie sind engagierter und mit mehr Freude bei der Arbeit. Hinzu kommt, dass sich heute mehr Mitarbeiterinnen als früher um die Kindern kümmern. Das sorgt für Entspannung auf beiden Seiten.
Grundstein für die zukünftige Entwicklung
Jahrzehntelang galt die Arbeit im Behindertenheim als Strafe für Arbeitnehmer. Es kam vor, dass entlassene Häftlinge zur „Zwangsarbeit“ abkommandiert wurden. Die Behindertenpädagogik steckt in Russland auch heute noch in den Kinderschuhen. Doch mittlerweile können sich angehende Pädagogen in Tschernjachowsk in Extra-Kursen für die Arbeit mit Behinderten weiterbilden.
Mehr über die Arbeit in Krylowo erfahren Sie auch auf der Homepage des Vereins „Eine Stadt bringt was ins Rollen“ unter www.einestadt.de
(jm/.rufo)
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