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Die Kaliningrader Putin-Fans gingen noch mal auf die Straße, um sich öffentlich über dessen Wahlsieg zu freuen (Foto:  newkaliningrad.ru)
Die Kaliningrader Putin-Fans gingen noch mal auf die Straße, um sich öffentlich über dessen Wahlsieg zu freuen (Foto: newkaliningrad.ru)
Donnerstag, 08.03.2012

Katerstimmung nach der Wahl in Kaliningrad

Kaliningrad. Der Jubel der Sieger fiel fast trotzig aus in Kaliningrad nach der Präsidentenwahl. Kein Wunder nach dem miserablen Votum für Putin. Doch auch der regionalen Protestbewegung geht offenbar die Luft aus.

Auf die Idee muss man erst kommen. Mitten in den Feierabendverkehr hinein mehrere Hauptstraßen in der City sperren, um in Ruhe den Wahlsieg feiern zu können – in einer Stadt, die das schlechteste Putin-Votum aller russischen Provinzen ablieferte.

So hatten dann auch tausende Kaliningrader Autofahrer etwas von der Wahlparty auf dem Wassiljewski-Platz, organisiert von der örtlichen „Einiges Russland“-Zentrale. Die Stimmung im Stau war entsprechend gereizt. „Die sollen sich ihren Sieg in den Arsch schieben“, schimpfte ein Kleinbusfahrer in der hoffnungslos verstopften Gorki-Straße.

Und an der Bushaltestelle gleich neben dem Platz der Kundgebung schüttelte eine Rentnerin den Kopf. „Nun ist Putin doch gewählt, was demonstrieren die denn noch? Soll besser arbeiten gehen, das Volk!“

„Den Löwen lange genug am Bart gezupft“


Doch soviel Fahnenappell musste sein. Gut 1.500 Leute folgten dem Aufruf, vorneweg die versammelte Mannschaft der berufsbedingten Putin-Unterstützer aus Gebietsregierung, Stadtverwaltung und Duma. Aber auch aus einigen Städten des Gebietes waren Leute angereist und trugen ihre Transparente hoch, als sei die Wahl noch in vollem Gange: „Mamonowo für Putin!“ „Stabilität Ja, Konflikte Nein!“

Putin im Rang des Propheten: Für seine Anhänger sind seine Artikel Gesetz (foto: newkaliningrad.ru)
Putin im Rang des Propheten: Für seine Anhänger sind seine Artikel Gesetz (foto: newkaliningrad.ru)
Elmira Chaimursina, Frontfrau der Regierungspartei in der Exklave, gab die Parole aus: 204.421 Stimmen für Wladimir Putin, das sei ein eindeutiges Signal, wen die Bewohner des Kaliningrader Gebietes als Präsidenten des Landes sehen wollten. Ein anderer Redner legte nach: „Die Mäuse haben den Löwen lange genug am Bart gezogen. Jetzt ist er erwacht.“ Starke Worte in einer Stadt, deren Wahlvolk dem Löwen nur magere 47 Prozent eingebracht hatten.

Auch Gouverneur Nikolai Zukanow stimmte zunächst die patriotische Tonlage an: „Gusewer, seid ihr da? Seid ihr für Russland? Für Putin?“ Dabei ist pathetisches Getöse eigentlich nicht Zukanows Sache, und gerade erst hatte er sich – nach dem ebenfalls schlechten Abschneiden von „Einiges Russland“ bei der Dumawahl – in Moskau rüffeln lassen müssen. „Wie einen Erstklässler haben sie ihn im Kreml abgekanzelt“, sagt ein Vertrauter aus Zukanows Umfeld.

“Wozu jetzt darüber reden, wer schuld ist?“


Nach der Demo von Journalisten auf das schlechte Wahlergebnis für Putin in Kaliningrad angesprochen, schlug Nikolai Zukanow denn auch nachdenklichere Töne an.

Er wisse nicht, wer schuld daran sei, halte schon die Frage für unangebracht: „Wozu jetzt darüber reden, wer daran schuld ist? Die Menschen in Gusew, in Kaliningrad, in Gwardejsk, in Tschernjachowsk, sie haben abgestimmt, wie sie abstimmen wollten. Niemand lässt sich von jemandem überreden, einen Schritt zu tun, den er nicht gehen will, ist es nicht so? Kaliningrad hat kein schlechtes Wahlergebnis abgeliefert. Es war ein ehrliches Ergebnis, das wollten doch schließlich alle! In den meisten Orten des Gebietes wurde mit großer Mehrheit für Wladimir Putin gestimmt, das ist ein eindeutiger Fakt.“

Er halte Putin für den würdigsten Kandidaten, Russland in schwierigen Zeiten Stärke, Sicherheit und Stabilität zu geben, sagte Zukanow. „Diese Werte sind für unser Land wichtiger denn je.“

Bei Russland-Aktuell
• Wahl: Kaliningrad verdirbt Putin die Siegerlaune (05.03.2012)
• OSZE-Gebetsmühlen verstellen den Blick auf den Wandel (06.03.2012)
• Präsidentenwahl: Nur in Kaliningrad wird noch gewählt (04.03.2012)
• Kaliningrad: Rätselraten um Gouverneur Zukanows Zukunft (16.01.2012)
• Kafka for President!: Kaliningrad gegen Wahlfälschung (20.12.2011)
Auch Kaliningrads Oberbürgermeister Alexander Jaroschuk, auf der politischen Bühne der Exklave Zukanows härtester Gegner, vergaß nicht, auf der Wahlparty seinen Senf dazuzugeben. Das Wahlergebnis sei nicht so schlecht, fand er. „Immerhin noch besser als Moskau. Kaliningrad ist eine sehr besondere Region, alle wissen das.“

Es habe keine Rechtsverstöße gegeben, die Wahlen seien ruhig verlaufen. Die Frage nach Konsequenzen beantwortete Jaroschuk mit einem betont ironischen Griff in die Kiste der sowjetischen Sprachfloskeln: „Das Recht auf personelle Konsequenzen liegt stets beim ältesten Genossen.“

Opposition steckt in der Flaute


Nach einer Stunde war der Zählappell der Pro-Putin-Fraktion vorbei, da fing die Gegenveranstaltung der Protestbewegung „Für ehrliche Wahlen“ gerade erst an.

Eigentlich hatte Aktivist Jewgeni Labudin sie auf dem Platz des Sieges abhalten wollen, doch den sperrte die Miliz kurz vorher ab. Begründung: Straßenreinigung. Tatsächlich sah man eine Frau mit Besen ziemlich lustlos hinter der Absperrung vor sich hin fegen…

So wichen die Putin-Gegner auf den benachbarten Platz vor dem Mutter-Heimat-Denkmal aus, zurück zu den Wurzeln sozusagen: Hier hatten die Kaliningrader Proteste gegen die Wahlfälschung im Dezember begonnen.

Doch das Wahlergebnis hat der Opposition den letzten Wind aus den Segeln genommen. Kaum mehr als 50 Leute kamen zur Kundgebung, zeitweise waren die Korrespondenten der örtlichen Medien klar in der Überzahl. Eine resignierte Stimmung war nicht zu übersehen – eine Stimmung, die dem Gefühl entwuchs, dass der euphorisch entbrannte Protest am Ende zu nichts geführt zu haben scheint.

Eine Rede halten wollte diesmal niemand. Man diskutierte eine Weile über die Ehrlichkeit der Wahlen und die Perspektive der Protestbewegung in Kaliningrad. Irgendwann ging man auseinander.

„Eine Stunde der Stille“, titelte eine Zeitung am Tag darauf. Und der Internet-Dienst „newkaliningrad.ru“ brachte die Fotos der Kundgebung in Schwarzweiß. Vielleicht ein bisschen viel Abgesang.



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