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Die ehemalige Reichsstraße 1 von Berlin nach Königsberg wollen die Wanderer teilweise nutzen (Foto: Plath/.rufo)
Die ehemalige Reichsstraße 1 von Berlin nach Königsberg wollen die Wanderer teilweise nutzen (Foto: Plath/.rufo)
Mittwoch, 19.08.2009

Kaliningrad: Zwei Rentner planen Marsch zum Reichstag

Kaliningrad. Zwei Kaliningrader Veteranen wollen aus ihrer Heimatstadt nach Berlin reisen. Zu Fuß. Den Reichstag wollen sie dann etwa zweieinhalb Monate nach dem Aufbruch "stürmen".

Viktor Safronow ist 95 Jahre alt, und er hat einen Traum. Schon lange träumt er ihn, seit mehr als sechseinhalb Jahrzehnten: seinen Marsch nach Berlin.

Von Berlin geträumt, in Königsberg gelandet


Im Großen Vaterländischen Krieg, wie die Russen den Zweiten Weltkrieg nennen, hat es nicht sollen sein. Das Kommando der 3. Weißrussischen Front, in der er damals als Soldat diente, änderte die Pläne. So landete Safronow in Königsberg - und blieb. Kaliningrad wurde ihm zur Heimat. Nach Berlin ist er nie gekommen.

Nun aber, als hochbetagter Veteran, will Viktor Safronow seinen Traum doch noch verwirklichen. Zusammen mit seinem Sohn Witali (70) plant er eine Reise vom Pregel an die Spree - zu Fuß. Start ist am 1. September.

Aktion für den Frieden


Ganz bewusst am Weltfriedenstag wollen die beiden Safronows gen Westen losmarschieren, denn dem Frieden zwischen Deutschen und Russen widmen sie ihre Aktion. Geplanter Tourverlauf: über Gdansk (Danzig), Koszalin (Köslin) und Szczecin (Stettin) an der polnischen Küste entlang nach Berlin. 650 Kilometer.

Die beiden Wanderer, zusammen bringen sie es auf 165 Lebensjahre, gehen von zweieinhalb Monaten Reisezeit aus, ein festes Ankunftsdatum peilen sie allerdings noch nicht an: "Dazu ist die Strecke zu lang, es kann immer etwas dazwischenkommen", sagte Viktor im Kaliningrader Regionalfernsehen. "Wir sind immerhin nicht mehr die Jüngsten."

Zehn Kilometer pro Tag


Zehn Kilometer wollen sie pro Tag hinter sich lassen. Das klingt gemächlich, doch angesichts des Alters der beiden ist es eine Menge. "Ich hätte auch 20 geschafft, aber mein Vater bestimmt natürlich das Tempo", sagt Sohn Witali. Die beiden halten sich fit, trainieren seit drei Monaten für ihr Go West: Jeden Tag gehen sie fünf Kilometer, manchmal mehr.

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Nicht nur das. Vier Dinge führt Viktor Safronow an auf die dieser Tage in Kaliningrad öfter gestellte Reporterfrage, was ihn so rüstig alt werden ließ: Nicht trinken, nicht rauchen, auf der Datscha arbeiten und sich von ungesundem Essen fernhalten. Außerdem beschäftige er sich schon sein halbes Leben lang mit der Imkerei und esse viel Honig: "Das hält auch gesund."

Gebietsregierung hilft


Die Aktion hat sich in Kaliningrad mittlerweile bis in die Gebietregierung herumgesprochen. Von dort gab es Hilfe bei der Visabeschaffung, auch beim Überqueren der russisch-polnischen Grenze ohne lange Wartezeiten wolle man die beiden Berlin-Reisenden unterstützen, heißt es aus dem Pressebüro von Gouverneur Georgi Boos.

Wladimir Ochulkow, Chef der Sportabteilung in der Gebietsregierung, rät dringend zu regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen unterwegs: "Eigentlich müsste sogar ein Arzt die Tour begleiten. Die beiden trainieren regelmäßig, aber die physische Belastung auf so einer Strecke ist ungleich höher als bei jungen Menschen."

200 Euro pro Mann und Tag?


Doch Viktor und Witali fühlen sich fit. Ein Problem haben sie freilich noch: die Reisekasse. Da wären offenbar Sponsoren willkommen, zumal die beiden Wanderer ein erstaunlich hohes Tagesbudget ansetzen: 200 Euro pro Person.

Als diese Summe in einem Fernsehbeitrag öffentlich wurde, hagelte es in Kaliningrader Medien Spott und Ablehnung. "Für 200 Euro am Tag würde auf der Stelle jeder Kaliningrader Renter nach Berlin aufbrechen", lästerte jemand im Forum des Internet-Portals kaliningrad.ru "Das ist doppelt so viel wie eine Monatsrente."

Kritik am Reisebudget


Ein anderer verweist auf die Summe, die das deutsche Konsulat als Tagessatz für die Erteilung eines Visums orientiert: 50 Euro pro Tag. "Wollen die zwei unterwegs in Fünfsternehotels übernachten?"

Da werden Vater und Sohn Safronow wohl ihr Reisebudget wohl noch etwas nach unten korrigieren müssen, denn ansonsten kommt ihre Idee bei den Kaliningradern gut an. Und sollten sie selbst wohlbehalten an ihrem Reiseziel ankommen, was wollen sie besichtigen? "Den Reichstag natürlich", sagt Viktor Safronow. "Und den Ehrenhain im Trepotower Park unbedingt auch."

Umgekehrt Strecke schon erwandert


Kaliningrad-Berlin. Umgekehrt ist den Weg schon einmal jemand gegangen. Der Hamburger Journalist Carsten Voigt, Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, wanderte im Sommer 2006 von der Spree an den Pregel.

Insgesamt gut einen Monat war er (mit Unterbrechnungen) zwischen Juni und September unterwegs. Seine Erlebnisse hat er in einem spannenden Tagebuch zusammengefasst, zu finden auf www.ostsicht.de



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