Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow
Handball: Berliner Füchse überlisten russischen Bären
Startseite


Waisenkinder in Neman: Jahrelang unterfinanziert (Foto: Plath/.rufo)
Waisenkinder in Neman: Jahrelang unterfinanziert (Foto: Plath/.rufo)
Mittwoch, 19.03.2008

Kaliningrad: Spenden-Flut für die „Wodka-Waisen“

Kaliningrad. Die Kaliningrader Kinderheime können sich über einen unerwarteten Geldsegen freuen: Unternehmen spenden, der Gouverneur stiftet gar sein Gehalt. Doch ist das die Lösung eines schweren sozialen Problems?

Auf eine Spenden-Initiative von Gouverneur Georgi Boos hin gingen bislang fast vier Millionen Rubel (ca. 110.000 Euro) bei den Kinderheimen ein. Dutzende Kaliningrader Unternehmen überwiesen große Beträge, andere stifteten Sachwerte: Computer, Sanitärtechnik, Schuhe, Bekleidung, Möbel, Haushaltstechnik. Der Gebietschef hatte kürzlich aus Anlass seines 45. Geburtstages Gratulanten gebeten, auf teure Geschenke und die üblichen Aufmerksamkeiten zu verzichten und stattdessen Geld für die Kinderheime zu spenden.

Georgij Boos engagiert sich seit seinem Amtsantritt in Kaliningrad auch privat für die Heimkinder. Seit zwei Jahren spendet der Vater von vier Kindern sein gesamtes Gouverneurs-Gehalt an ein Waisenhaus – monatlich 62.000 Rubel (rund 1750 Euro).

Boos: Ein reicher Mann an der Gebiets-Spitze


Auch 2008 will er wieder eine ähnlich hohe Summe spenden. Der Mann kann es sich leisten: Seinen Lebensunterhalt verdient Boos nicht in der Kaliningrader Regionalregierung, sondern vor allem über seine Anteile an mehr als 20 Moskauer Firmen, Jahreseinkünfte laut Steuererklärung etwa 1,8 Mio. Euro.

Bei Russland-Aktuell
• Erstes russisches Wohnheim für Aidswaisen eröffnet (24.10.2007)
• Sozialminister will Renten anheben - auf 150 Euro (31.07.2007)
• Freizeit-Projekte gegen Kinderobdachlosigkeit (06.03.2007)
• Eine Insel für Waisenkinder ohne Heim und Hoffnung (06.02.2007)
• Neue Wege für behinderte Kinder in Kaliningrad (20.06.2005)
Die Kinderheime im Kaliningrader Gebiet litten wie in den meisten Regionen Russlands vor allem in den 1990er Jahren Not durch chronische Unterfinanzierung. Viele überlebten vor allem durch humanitäre Hilfslieferungen aus Deutschland. Auch dies ärgerte Boos, wie er nach Besuchen in Waisenhäusern mehrfach sagte: Es gehe nicht an, dass man seine sozialen Probleme aus dem Ausland lösen lasse. „Dies müssen wir schon selbst in den Griff bekommen.“

Allerdings, so betont es der Gebiets-Chef immer wieder, sei langfristig nicht eine bessere Finanzierung der Kinderheime das Ziel, sondern ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine moderne Sozial- und Familienpolitik, „damit solche Heime einfach überflüssig werden.“ In zehn Jahren sieht der Gouverneur das Kaliningrader Gebiet soweit. Doch die Wirklichkeit ist eine andere.

Im Osten der Oblast ist die Not noch groß


Nach wie vor prägt gewaltige soziale Not vor allem die ländlichen Regionen im Osten des Gebietes. Vom Wirtschaftsboom Kaliningrads ist schon zehn Autominuten stadtauswärts kaum noch etwas zu spüren, und mit jedem Kilometer nehmen Armut und Ausweglosigkeit zu.

In vielen Familien grassiert Alkoholismus, herrscht Gewalt. Nur in den schlimmsten Fällen, wenn die Familie für das Kind zur Lebensgefahr wird, entziehen die Sozialämter den Eltern das Sorgerecht und bringen die Kind in einem Heim unter. „Wodka-Waisen“ nennt sie der Volksmund wenig schmeichelhaft.

Russische Kinderheime - hier in St. Petersburg - müssen vor allem Sozialwaisen auffangen (Foto: ld/.rufo)
Russische Kinderheime - hier in St. Petersburg - müssen vor allem Sozialwaisen auffangen (Foto: ld/.rufo)
Die Waisenhäuser, in jedem Landkreis des Gebietes gibt es mindestens eins, wurzeln in den Krisen und sozialen Degradierungserscheinungen der postsowjetischen Jahre. In dem von Moskau verwahrlost fallengelassenen Militärsperrgebiet Kaliningrad gab es damals plötzlich Dörfer, in denen ausnahmslos allen Eltern die Kinder weggenommen wurden, weil zu befürchten war, dass sich die gesamte Ortschaft kollektiv zu Tode soff.

Früher halfen ehemalige Ostpreußen - jetzt das lokale Business


In den Heimen wiederum war die Lage vor allem deshalb besser, weil regelmäßig Hilfstransporte aus Deutschland eintrafen – oft von ehemaligen Bewohnern Ostpreußens organisiert.

Eben diese Lieferungen werden inzwischen nicht mehr ins Land gelassen. Der Kaliningrader Zoll blockiert fast jeden Transport an der Grenze mit dem Hinweis auf den wirtschaftlichen Aufschwung, den Russlands Exklave mittlerweile zweifellos nimmt. Dass besagter Aufschwung bei jenen, die in Not leben, in aller Regel nicht ankommt, wie viele Hilfsinitiativen klagen, lässt die Wächter der Ein- und Ausfuhr kalt.

Dafür spenden jetzt die einheimischen Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne und der Gebietsfürst gibt sein Jahresgehalt. Die Freude in den Kinderheimen zeigt: An Bedarf mangelt es nicht.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Mittwoch, 19.03.2008
Zurück zur Hauptseite








Der sibirische Frost hat auch Kaliningrad fest im Griff: Der Meteorologische Dienst sagt für das Wochenende Temperaturen von bis zu -30 Grad voraus. Im Ostseebad Selenogradsk ist man dann bereits nah am historischen Kälterekord: Am 25. Januar 1942 waren hier minus 33,1 Grad gemessen worden. ( Topfoto: Plath/.rufo)

Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Kaliningrad kompakt
08.02.2012Oligarch Deripaska greift nach russischen Flughäfen
06.02.2012Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
03.02.2012Frieren gegen Putin: Die Opposition geht auf die Straße
02.02.2012Universität gedenkt deutschen Ehrendoktors
01.02.2012Russland und Litauen öffnen Seegrenze im Kurischen Haff
31.01.2012Atomstrom aus Kaliningrad kommt frühestens ab 2017
27.01.2012Grüner Korridor an der visafreien Grenze nach Polen
26.01.2012Visafrei shoppen für Russen, billig tanken für Polen
19.01.2012Kleiner Grenzverkehr mit Litauen kommt nicht vom Eis
17.01.2012Schwere Sturmschäden an der Bernsteinküste
16.01.2012Rätselraten um Gouverneur Zukanows Zukunft
13.01.2012Schmuggelzigaretten im doppelten Boden
12.01.2012Flughafen-Ausbau soll 2012 weitergehen
05.01.2012Brandanschlag auf Einiges Russland-Büro
05.01.2012Brandanschlag auf Einiges Russland-Büro

Mehr Kaliningrad bei www.kaliningrad.aktuell.ru >>>


Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
Susanne Brammerloh, St.Petersburg

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kopf der Woche
Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen
Kommentar
Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle
St.Petersburg
Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
Thema der Woche
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Moskau
Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 13. Februar
18:06 

Handball: Berliner Füchse überlisten russischen Bären

17:15 

Russische Jugendliche 4 Mal depressiver als im Westen

15:49 

Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow

14:51 

Baustelle am Kreml – weiter unklar, was dort entsteht

13:49 

Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen

12:38 

Hurra! Kältefrei! Schule in Moskau fällt wegen Frost aus

10:46 

Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle

09:53 

GLONASS Navigations- und Ortungsgeräte werden Pflicht

09:02 

VTB-Chef: Putin wählen, damit er in 6 Jahren abtritt

01:01 

Russland Geschichte: Ein Sänger und ein Vizeadmiral

Sonntag, 12. Februar
01:01 

Russland Geschichte: Ochrana, Kant, Tadschikistan

Samstag, 11. Februar
02:15 

Russland Geschichte: Iran und Russland vor einem Krieg

Freitag, 10. Februar
18:47 

Offizielle Umfragewerte: Putin im 1. Wahlgang durch

18:13 

9. Russlandlounge: Russland und der deutsche Markt

17:09 

Viel Wind um nichts: 25 Euro Strafe für Putin-Demo

16:14 

Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal

15:22 

Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe

13:45 

Der potomkinsche Express-Bus - langsam und unbequem

12:48 

Politischer Karneval und Menschenkette um den Kreml

12:15 

Chodorkowski gewinnt Gerichtsverfahren gegen Lagerchef

11:01 

Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa

09:12 

Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma

01:01 

Russland Geschichte: Pasternak geboren

Donnerstag, 9. Februar
18:45 

KHL: Hockeyclubs fliegen nur noch mit Airbus und Boeing

18:17 

Putin will freie Januartage auf Anfang Mai verschieben

17:24 

Gorbatschow möchte Wählerliga anführen, soll aber nicht

16:37 

Putin plant patriotisches Meeting mit 200.000 Menschen

15:55 

Skepsis gegen schweizer Riesenpaar Glencore-Xtrata

15:18 

Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.

14:01 

Super-Flugzeugträger: Kosmos- und Unterwasser-Einsatz

11:40 

Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent

10:26 

Neue Atom-U-Boote und Atomraketen für Russland in 2012

09:02 

Noch ein Moskauer Jugendlicher springt in den Tod

01:01 

Russland Geschichte: Dostojewski gestorben

Mittwoch, 8. Februar
18:47 

Russische Forscher erreichen Antarktis-See unter Eis

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU
[Alt-Text]

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com