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Müll-Recycling a la Kaliningrad löst gleich auch soziale Probleme (Foto: Plath/rufo)
Müll-Recycling a la Kaliningrad löst gleich auch soziale Probleme (Foto: Plath/rufo)
Donnerstag, 13.12.2012

Kaliningrad: Recycling bald kein Fremdwort mehr?

Kaliningrad. Man kann es getrost eine kleine Revolution nennen: In Kaliningrad hat ein Pilotprojekt zur Mülltrennung begonnen. Das Experiment legt den Finger tief in eine Wunde: Die russische Exklave ist abfalltechnisch ein einziger Sündenfall.

Ausgerechnet im Zoo soll die Idee einer ökologischen Abfallentsorgung nun erste Wurzeln schlagen. Zwischen Affenhaus und Bärenfelsen des zweitältesten Tierpark Europas stehen neuerdings zwei Netzcontainer zur Mülltrennung – einer für Plastikbecher und PET-Einwegflaschen, einer für diese allgegenwärtigen und eigentlich schwer recycelbaren Getränkekartons, Tetrapaks genannt.

Große Schilder klären auf, was in die Boxen hinein darf und was nicht. Aufgestellt hat sie die „Regionale Union der Abfallwirtschaftler“, deren Chef Swjatoslaw Lawrinenko, der Großes vorhat mit dem kleinen Experiment: Allein Zoogelände will er 30 solcher Behälter aufstellen.

Als nächstes sind dann die Schulen dran: Man arbeite an einer Vereinbarung mit Kaliningrader Schulen, um auch dort Sammelbehälter zur Mülltrennung zu platzieren. „Zehn bis fünfzehn Schulen werden mitmachen.“

Rohstoff ist reichlich vorhanden (Foto: Plath/rufo)
Rohstoff ist reichlich vorhanden (Foto: Plath/rufo)
Schritt für Schritt plane man das Sortiersystem für bis zu vier Müllfraktionen zu erweitern und flächendeckend im Gebiet auszudehnen. „Es gibt bei uns praktisch keinerlei Verwertung und Recycling von Abfall aus Haushalten und Gewerbeunternehmen. Diese Situation muss sich endlich verbessern.“

Das kleine Pilotprojekt, in Eigeninitiative der Abfall-Kooperative gestartet, legt den Finger in eine faulende Wunde. Mit seiner rückschrittlichen Müllentsorgung und Deponien auf Dritte-Welt-Niveau gehört das Gebiet Kaliningrad umwelttechnisch zu den Armenhäusern in Europa.

Der weitaus größte Teil des Haus- und Gewerbemülls landet auf offenen, ungeordneten Kippen wie der Deponie Kosmodemjanskoje, wo schön abseits vom Tunnelblick der Wohlstandsbürger und Aufschwunganbeter seit Jahren eine Umweltkatastrophe in den Himmel wächst. Und eine soziale gleich noch dazu:

Bis zu tausend Menschen wühlen dort zeitweise im Müll nach verwertbarem wie Altmetall. Zum Teil leben sie sogar auf der Kippe – unter Verhältnissen, die an indische Slums erinnern. Recycling nach Kaliningrader Art.

In der gesamten Exklave wurden auf Basis einer von der Gebietsregierung angeschobenen Analyse mehr als 30 offizielle Altdeponien katalogisiert, nicht alle so groß wie Kosmodemjanskoje, doch nach dem selben Muster. Kein einziger dieser Müllberge entspricht auch nur annähernd europäischen Abfallentsorgungs-Normen.

Was genau auf diesen Altdeponien vergraben liegt – niemand weiß es. Belasteter Sondermüll, Militärschrott, Militärschrott, alles ist möglich. Eine Kaliningrader Zeitung untersuchte vor einigen Jahren zusammen mit einem Experten einige Kippen auf radioaktive Materialien. Die Geigerzähler schlugen mehrmals an. Ungehindert verseuchen die Müllberge das Grundwasser – Geosperren, die eine Auswaschung durch das Regenwasser verhindern, gibt es nirgendwo.

"Müll" ... ziert die Natur (Foto: Plath/rufo)
"Müll" ... ziert die Natur (Foto: Plath/rufo)
Und die zahllosen wilden Kippen in der Umgebung kleinerer Ortschaften und in Armeeobjekten sind in der Auflistung noch gar nicht enthalten. Es hat Gründe, ein weiterer wäre die Einleitung ungeklärter Abwassers in das Frische Haff, dass der Umweltbericht des Ostseerates Kaliningrad zu den umwelttechnischen Notstandsregionen mit dringendem Handlungsbedarf zählt. Doch so geht das seit Jahren.

Das Bewusstsein für eine geordnete, ökologische und auf Verwertung ausgerichtete Abfallentsorgung ist in Kaliningrad nur ansatzweise ausgeprägt. Hausmüll, vom Joghurtbecher bis zur Kartoffelschale, landet unsortiert in der großen Tonne - ex und hopp.

Pfandgesteuerte Mehrwegsysteme existieren de facto nicht mehr, das Sammeln von Bierflaschen durch Obdachlose und mittellose Rentner, die sich damit ein paar Kopeken verdienen, ist als Recycling kaum ernsthaft zu bezeichnen.

Seit der Westöffnung Kaliningrads überschwemmt eine Verpackungslawine die Supermärkte. Das freilich war in Polen und im Baltikum nicht anders. Nur haben die Regierungen da, und nicht erst seit dem EU-Beitritt, längst entsprechende Programme aufgelegt, um die Mülltrennung zu fördern, die Verwertungsquote zu erhöhen und einen möglichst großen Teil der Abfälle via Recycling zurück in den Wertstoff-Kreislauf zu befördern.

In Kaliningrad zuckt man mit den Schultern und schaut weg. Zu Populismus neigende Regenten wie Oberbürgermeister Alexander Jaroschuk bauen lieber, das ist vorzeigbar, bringt Punkte auf der Beliebtheitsskala und lässt den Rubel rollen – wohin auch immer.

Müll ist ein undankbares Thema. Es riecht streng und stört im Bild vom aufblühenden Kaliningrad. Das überlassen die Mächtigen und ihre Claqueure hier bislang grünen Spinnern wie den Leuten von „Ekosaschtschita“.

Auch Lawrinenkos Abfallwirtschafts-Union agiert auf dem Feld bislang mehr oder minder als Einzelkämpfer, allerdings mit anderen Motiven als die Ökoaktivisten. Ihre Devise: Abfall ist wertvoll. Rohstoff. Bares Geld.

Darum kann man das jüngste Projekt im Zoo durchaus eine kleine Revolution nennen. Schon im vorigen Jahr zog Lawrinenko so ein Recycling-Ding durch: In den Filialen der Großmärkte „Bauzentr“, „Megapolis“ und „Maximus“ riefen die Abfallwirtschaftler gezielt zur Abgabe von kaputten Energiesparlampen und ausgedienten Batterien auf.

(Foto: Plath/rufo)
(Foto: Plath/rufo)
Innerhalb von einem halben Jahr kamen über 8000 Lampen und 250 Kilogramm Altbatterien zusammen. „Was wir verwerten konnten, haben wir mit Hilfe einer lizenzierten Firma verwertet“, sagt Lawrinenko. „Glas, Metall, Kunststoffe, alles Wertstoffe. In Europa ist daraus eine ganze Industrie gewachsen. Wir verkaufen unser Altmetall ins Ausland, für Kopeken. Es wird Zeit, dass sich das ändert.“

Geht es nach dem „Regionalen Regierungsprogramm für die Behandlung von Haus – und Gewerbemüll 2012-2016“, wird es das vielleicht auch bald.

Das mit 625 Millionen Rubel aus dem Gebietshaushalt untersetzte Konzept sieht unter anderen den Aufbau einer Recyclingwirtschaft vor mit dem Ziel, in vier Jahren ein Drittel des Abfalls als Wertstoff zu gewinnen. Bislang sind es offiziell vier Prozent.

Das Programm zur Modernisierung der Abfallwirtschaft gilt als eins der ehrgeizigsten Projekte von Gouverneur Nikolai Zukanow, der gleich nach seiner Amtseinführung eine ganze Abteilung auf dieses Thema ansetzte. Noch als Bürgermeister von Gusew hatte Zukanow dort den Bau einer modernen Deponie initiiert – gefördert von der EU und cofinanziert durch die Kommune.

Heute ist es, neben einer ebenfalls neuen Deponie bei Sowjetsk (Tilsit), die einzige Entsorgungsanlage im Gebiet, die auch europäische Umweltnormen erfüllt.

Mit besagtem Regierungsprogramm sollen in den nächsten Jahren nicht nur sämtliche Altdeponien geschlossen und schrittweise rekultiviert werden, geplant ist auch der Bau von insgesamt vier neuen Großdeponien, zum Teil mit Sortier- und Kompostieranlagen und allesamt an zeitgemäßen Umweltstandards ausgerichtet. Gesamtkapazität der Deponien: 500 000 Tonnen im Jahr.

Noch zu wenig, kritisiert Abfallfachmann Lawrinenko. Sein Verband moniert unter anderem die langen Anfahrwege von den Kommunen zu den Deponien: alles über 35 Kilometer sei nicht effektiv.

Zudem fehlten in dem Konzept spezielle Deponien für Sondermüll und Industrieabfall. „Schon jetzt gibt es auf der Baustelle des Atomkraftwerkes das Problem, dass man nicht weiß, wohin mit dem Abfall. Die nächstgelegene Deponie Barsukowka ist dafür nicht ausgelegt.“

Lawrinenko hält den Bau einer fünften Deponie für notwendig, „womöglich privat betrieben“. Er favorisiert als Standort die Region Gwardejsk (Tapiau) 40 Kilometer östlich von Kaliningrad. Dort sollte neben der Deponie ein Industriegebiet aufgebaut werden, in dem sich Unternehmen der Wertstoff- und Recyclingbranche ansiedeln können. „Das schafft Arbeitsplätze und neue Rohstoffe, die wir selbst weiterverarbeiten können.“

Ansätze zu solchen Müllsortierprojekten hat es durchaus schon gegeben in der russischen Ostsee-Provinz.

Vor einigen Jahren begann man in der Kreisstadt Tschernjachowsk (Insterburg) Container für getrennte Abfallfraktionen aufzustellen. „Die Leute haben auch mitgemacht. Und dann kam der Müllwagen und schüttete alles wieder zusammen“, erinnert sich Olga Bernosewitsch, Chefin der kommunalen Stadtreinigung. „Wer sollte das verstehen? Es macht doch keinen Sinn, den Müll nur zu sortieren. Was kommt danach? Es fehlt an einem durchorganisierten Gesamtsystem.“

Kommt das nun in Gestalt des Regierungsprogramms? „An dem Tag, an dem dieses Programm wirklich beginnt zu arbeiten, gehe ich in die Kirche und stelle eine Kerze auf“, seufzt Tatjana Grunitschewa, oberste Sanitärärztin des Gebietes.

Dabei könnte Kaliningrad auf dem Gebiet längst viel weiter sein, an Hilfsangeboten und -projekten aus der EU, auch speziell aus Deutschland, hat es nicht gefehlt in den letzten Jahren.

Als das Thema Müllnotstand von Gouverneur Boos erstmals zum strategischen Thema erklärt wurde und sowohl Moskau als auch Brüssel dafür Geld bereitzustellen versprachen, boten sich umgehend erfahrene Unternehmen der Abfallbranche als Partner an – einer Branche, die in Deutschland mit der Verwertung von Abfall mehr Geld umsetzt als die Automobilindustrie.

Damals, um das Jahr 2009 herum, stellte sich auch die Ostmecklenburgisch-Vorpommersche Verwertungs- und Deponie GmbH (OVVD) in Kaliningrad vor – unter anderem mit Konzeptideen für hochmoderne Kompostierungsanlagen. Die OVVD und ein um sie herum gewachsenes Technologie-Netzwerk zählt in Deutschland zu den innovativsten Firmen auf dem Gebiet der Abfallverwertung.

Doch den damaligen Gouverneur interessierten die Erfahrungen der mittellosen Ostdeutschen nicht. Der Gebietsfürst wollte andere Verhandlungspartner, wer von Casinostädten träumt, fühlt sich als Globalplayer.

Am 29. Oktober 2010 unterzeichnete Georgij Boos eine Vereinbarung mit Jacques Pelletier, dem Osteuropa-Direktor der mächtigen französischen Industrie-Holding Bouygues Batiment International:

Es ging um den Bau einer gewaltigen Abfallentsorgungsanlage mit Recyclingkomplex. Über den geplanten Ort des Müllwerkes wurde Stillschweigen vereinbart. Alle Seiten schweigen darüber bis heute.



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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

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Holger Eekhof 14.12.2012 - 08:06

Nichts dagegen, sollen Sie eben alle

vorbeischauen, und am besten die hochgeschätzte Gemahlin gleich mitbringen...
Die wird ihm vermutlich gepflegt die Meinung geigen, wenn sie feststellt, das sie eben keine drei Mülleimer zu Hause haben muß, eben nicht an drei Abfuhrterminen Extrazeit einplanen muß, und trotzdem wäre das System allem in Deutschland bisher installiertem überlegen. Ganz zu schweigen davon, gelegentlich noch diverse Sammelstellen zusätzlich aufsuchen zu müssen.

Vermutlich wäre dies zwar nicht die günstigste, aber wahrscheinlich die effektivste Variante, um wenigstens den gröbsten Unfug zu vermeiden.


Uwe Niemeier 14.12.2012 - 05:36

Hoffentlich hat Putin nicht ...


... Ihren Vorschlag, Holger Eeckhof, gelesen. Problemlos würden alle Gouverneure diese Dienstreise antreten - sie würde ja nach Deutschland gehen. Wenn es zum Erfahrungsaustausch nach z.B. Murmansk gehen würde - da würde wahrscheinlich so mancher Stellvertreter fahren müssen.

Ansonsten gefällt mir Ihr letzter Satz, gerichtet an gerd: \"... das Sie Russland-Kritiker sind ... \" Muss ich mir merken. Vielleicht werde ich Ihr Plagiator.


Cello 14.12.2012 - 04:55

Oder aber Sie informieren sich zuerst

@proputin

Wo sind Ihre Beweise zu Ihrer Aussage, oder stuetzen Sie sich auf die Information von lezter Woche betreffend Schulbildung und insbesondere das Fach \"Naturwissenschaft\"?

Schauen Sie sich die Resultate der PISA Studien an.

http://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien

und weshalb nimmt RU nicht mehr an den alljaehrlichen Studien teil??

Aha, und logisch denken kann man nur wen Etwas Aktuell, also aktuelles \" Thema \" ist. Fremdsprachen spricht man auch nur oder sollte man zumindest, wenn das Thema Ferien aktuell ist. Sie kennen aber den westlichen Anforderungsstandart der Firmen und Unternehmen und Ihnen ist sicherlich auch bekannt, dass russische UNI-Diplom Abgaenger es um einiges schwieriger haben eine Arbeitsstelle zu bekommen als beispielsweise ein Inder/in! Habe jedenfalls als Beispiel noch nie gelesen, dass internationale Unternehmen beispielsweise ihre Buchhaltung, Offerwesen, Ticketing usw. nach RU outsorcen. Kommen Sie mir nun bitte nicht mit Lohnkosten usw. als Begruendung. Na, na Sie guter da muessen Sie schon bessere Argumente bringen.

Undf zuguterletzt erkundigen Sie sich mal, wie alt die russische Schulreform ist und ob Sie sich auch auf dem paedagogisch neuesten Stand befindet?


Holger Eekhof 13.12.2012 - 20:20

So Unrecht hat er gar nicht....

Es bleibt mir nichts anderes übrig - in diesem Falle muß man einfach unserem Virtuosen zur Seite stehen.. wo er recht hat, hat er recht.

Mülltrennung bzw. Müllvermeidung ist in Russland definitiv kein Thema.
Doch nun kommt schon wieder der Utopist in mir zum Vorschein, würde ich den Russen, speziell denen, die sich mit der Thematik auseinander setzen, doch wünschen, nicht allzusehr Lobby- gesteuert zu werden. Ich bitte hiermit den russischen Staat, seinen Gouverneuren ein Pflichtreise nach Aachen zu verorden...

Denn dann werden sie wissen, das manuelle Mülltrennung durch Endkunden der größte - durch typisch westdeutsches Besserwissitum verursachter - Schrott ist, den man sich nur vorstellen kann.

Deshalb diese Bitte: Einfach die Patente aus Aachen aufkaufen und verwirklichen, und bitte keine kontraproduktiven Mechanismen wie den grünen Punkt entwickeln. Die sind auf der Suche nach Lobbyfreien Klienten - sind hier nur zu schwer zu finden.

Man muß nicht jedem Irrweg folgen, um etwas besser zu machen...

Aber nichtsdestotrotz: Müllbehandlung im Osten - eindeutig schlimmer als alles, was unser Virtuose je von sich geben könnte..

PS @ gerd: Ich bin RU - Kritiker! Ich habe nur das Problem, das ich so verdammt wenig zum mosern finden kann, aber nutze das dann auch :)))


proputin 13.12.2012 - 18:25

cello informier dich bitte richtig...

Logisches denken fehlt den Russen :-D deren Bildung ist um einiges hoher als in Europa. Mülltrennung ist halt kein großes Tema (noch)


Cello 13.12.2012 - 17:52

Braucht es Fanatismus..

@Uwe Niemeier

..fuer umweltbewusstes Denken?? Ich bin der Meinung, dass dazu eher logisches Denken benoetigt wird, doch dieses fehlt den Russen ganz besonders. Diese Eigenschaft erkennt man in RU und dessen Bevoelkerung sehr gut im fehlen von \" Subsidiaritaet \"! Fuer ein paar Aepel und ein paar Eier koennen Sie sich Tickets kaufen und Vorort (Italien, USA) am besten selbst recherchieren, dies ist die beste und ehrlichste Meinungsbildung.


Uwe Niemeier 13.12.2012 - 16:26

Einerseits haben Sie recht, Cello ...

... andererseits haben auch wir umweltbewußten, Mülltrennungsfanatiker dies nicht immer getan. Das Umweltbewußtsein und auch andere Bewußtseinsformen entwickeln sich Schritt für Schritt. Wir Deutsche als gelehrige Schüler und hochqualifizierte Oberlehrer haben schon vor vielen Jahren, mit Hilfe der neugeborenen \"Grünen\" das Problem erkannt und arbeiten daran. Der Russe erkennt es eben etwas später ... Ach, wissen Sie zufälliger Weise wie die Amerikaner oder die Italiener das mit der Mülltrennung und den Umweltschutz in Griff bekommen? Ich bin da leider überhaupt nicht im Bilde!


Cello 13.12.2012 - 15:58

Ein gesamtrussisches Problem

Abfaltrennung haben wir schon seit mehr als 30 Jahren. Aus aussortiertem Abfall (Kehrichtverbrennungsanlagen mit mehrfachen Rauchgasfiltern) dann Strom und Heisswasser erzeugen ist ebenfalls so alt wie das Recycling von Altglas, Aludosen, Pet-Produkte aller Art usw. Was Umweltschutz anbelangt hinkt Russland noch um Jahrzehnte hinterher, was wiederum auch beweist, dass der Russe in dieser, wie auch in vielen weiteren Situationen eine dilettantische, minimalistische, gleichgueltige und nicht zukunftsorientierte Denkweise hat. Abfalltrennung beginnt schon im juengsten Babyalter also mit den ersten Schritten.


Uwe Niemeier 13.12.2012 - 15:43

Kaliningrader Müll - lange Rede, langer Kommentar


Das Thema ist wirklich ein historisches und erst in diesem Jahr wieder so richtig aufgeflammt.

Erst vor wenigen Monaten wurde ein offener Brief zu diesem Thema an Putin gesandt, den 4.000 Kaliningrader Bürger unterschrieben hatten. In diesem Brief kritisierten sie die unhaltbaren Zustände auf einer Müllkippe in unmittelbarer Nähe der Stadt. Sie wiesen auf die Inaktivität und die Verständnislosigkeit des Kaliningrader Gouverneurs in dieser Frage hin und ließen anklingen, dass, wenn 4.000 Unterschriften unter diesen offenen Brief nicht ausreichen, sie auch 200.000 sammeln können.
Das löst natürlich Handlungsbedarf aus.

Und so kam es, dass das Thema auf die Tagesordnung kam. Der Gouverneur schlug vor eine Arbeitsgruppe auf der Basis der Kreisverwaltung zu bilden. Prompt schlug der Bürgermeister vor eine Arbeitsgruppe unter Verantwortung der Stadtverwaltung zu gründen. Der Gouverneur legte nach, bestand auf seinem Vorschlag und wollte noch viele hochrangige Spezialisten aus der Stadtverwaltung zum Müll schicken – also ich meine zur Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe.

Als Leiter der Gruppe wurde Arsen Machlow, Abgeordneter im Kreisparlament vorgeschlagen. Arsen ist in seinem „früheren Leben“ ein kleiner Rebell gewesen – in Kaliningrad. Sein Vater betrieb eines der größten Verlagsunternehmen in Kaliningrad und er, Arsen, gründete 1999 die erste kostenlose Stadtzeitung für Kaliningrad. Sie heißt „Dwornik“ (Straßenfeger) und wird z.B. mir kostenlos jede Woche in den Briefkasten geworfen.

Ich zähle nur sehr bedingt zu den Lesern, denn diese Zeitung beschäftigt sich mit der Aufdeckung von Skandalen im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben und kritisiert Unzulänglichkeiten in der Stadt in einer Art und Weise, die nicht meinen Vorstellungen entspricht. Nichts desto trotz (meine Meinung spielt hier überhaupt keine Rolle), bewegt er mit seinen Veröffentlichungen viel. Und er hält auch viel aus, denn in seinem Leben hat er alles durch: Verleumdung, Verhaftung, Verurteilung, Verbrennung des PKW und einen Mordanschlag. Aber ihm ist es immer gelungen, vermutlich auch dank dessen, dass alle Mitarbeiter von „Dwornik“ an einem Strang ziehen, sich ungerechtfertigten Handlungen ihm gegenüber erfolgreich zu widersetzen. Er war auch einer der Initiatoren der „Mandarinenaktion“ im Jahre 2010, die zum Sturz des Gouverneurs G. Boos führte.

Im Rahmen der letzten Wahlen zum Bürgermeister, wurde er in den Kreisrat gewählt. Nach dem er so viel in seinem bisherigen Leben kritisiert hatte, entsprach es einer gewissen Logik, dass ihn der Gouverneur als Leiter dieser – wirklich nicht einfachen – Arbeitsgruppe vorschlug. Kritisieren ist das eine, es besser machen ist eine andere Sache, die nicht jeder kann. Nun hat Arsen die Möglichkeit unter Beweis zu stellen, dass er auch ein guter Organisator praktischer Lösungen von Problemen ist. Da das Problem der Müllentsorgung keine „Melotsh“ (Kleinigkeit) ist, würde ich mich persönlich über einen Erfolg von Arsen freuen. Insbesondere auch deshalb weil er damit einen qualitativen Schritt in seinem Leben vorwärts geht, aber auch ein Problem der Stadt löst.

Die Aufgabe der Arbeitsgruppe besteht in der Erarbeitung einer komplexen Lösung des Müllproblems bis zum Jahre 2018, dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaften. Die Lösung sieht einerseits die Schließung bestehender, umweltschädlicher Deponien in Kaliningrad vor und andererseits die Einführung des Systems der Mülltrennung. Dies wiederum gibt der Versorgungswirtschaft in Kaliningrad neue Impulse, denn im Rahmen der Schaffung des Systems der Mülltrennung entstehen völlig neue Wirtschaftsbetriebe und Arbeitsplätze – eine spezifische Industrie, die bisher nicht existiert.


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