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| In Kaliningrad regt sich Protest gegen Atomkraftwerkspläne (Foto: Archiv) | |
Freitag, 09.02.2007
Kaliningrad: Proteste gegen Atomkraftwerkspläne
Kaliningrad. Die regionale Umweltschutzorganisation „Ekosaschtschita“ will mit einer Serie öffentlicher Aktionen gegen die Voruntersuchungen zum Bau eines Atomkraftwerkes in der Exklave Kaliningrad protestieren.
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| Hintergrund |
Die Energieversorgung Kaliningrads war lange ein großes Problem. Wegen der Exklavenlage mussten 95 Prozent des Stromes importiert werden. Erst seit dem Bau des Heizkraftwerkes „TEZ-2“ steht eine unabhängige Stromversorgung der Exklave in Aussicht. Der erste Block des gewaltigen Gaskraftwerks ging im Oktober 2005 ans Netz, der zweite folgt bis zum Jahr 2010. Mit einer Leistung von 900 MW sollte „TEZ-2“ dann nicht nur den gesamten Energiebedarf der Ostseeprovinz decken, sondern sogar noch Strom exportieren. Eigentlich: Doch spätestens seit den Spannungen zwischen Moskau und Minsk um die Transit-Pipelines zeigt sich die Schattenseite des 400 Millionen USD teuren Riesenkraftwerks: Kaliningrads boomende Wirtschaft ist damit sehr abhängig von Erdgaslieferungen. Salopp gesagt: Dreht außerhalb der kleinen Exklave jemand den Gashahn zu, geht in der Sonderwirtschaftszone das Licht aus. |
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Ein Kernkraftwerk bedeute die ständige Gefahr einer radioaktiven Verseuchung der gesamten Region und damit ein unverantwortlich hohes Risiko für die Umwelt und die Bevölkerung des Gebietes, warnte Ekosaschtschita-Aktivistin Alexandra Koroljowa am Montag im Radiosender „Baltik Plus“.
Außerdem wären für den Fall, dass im Kaliningrader Gebiet ein Atommeiler gebaut wird, negative Folgen für die touristische Entwicklung der Ostseeregion und eine ernste Belastung der diplomatischen Beziehungen mit den Nachbarländern der Europäischen Union zu erwarten. „Man muss sich doch nur daran erinnern, welche Probleme Litauen mit seinem Atomkraftwerk Ignalina hatte. Sie mussten es abschalten, das war die Bedingung für den Beitritt in die EU“, sagte Koroljowa.
„Atomfreies Kaliningrad"
Stattdessen fordert Ekosaschtschita (www.ecodefense.ru) den Ausbau alternativer Energiegewinnung wie Windstrom und die Förderung von Energiesparmaßnahmen. Ihren Anti-Atomkraft-Protest stellen die Umweltaktivisten unter das Motto „AKW ab nach Moskau - Wir sind für ein atomfreies Kaliningrad". Die erste Aktion soll vor dem Gebäude der Regionalregierung stattfinden.
Auslöser der Proteste ist ein im Oktober 2006 zwischen dem russischen Energiekonzern „Rosenergoatom" und der Regierung abgestimmter Strategieplan, auf dessen Basis das Netz der Atomkraftwerke ausgebaut werden soll. Als möglicher neuer Reaktor-Standort ist das Kaliningrader Gebiet im Gespräch.
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Halbdementi der offiziellen Stellen
Felix Lapin, Industrieminister der Regionalregierung von Gouverneur Georgi Boos, betonte zwar kürzlich, dass es bezüglich der Bauplanung eines AKW keinerlei offizielle Vereinbarung gebe.
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Zugleich räumte Lapin aber ein, dass „eine Gruppe privater Personen" Ziele in dieser Richtung verfolgte. Vor wenigen Tagen bestätigte „Rosenergoatom"-Wirtschaftsdirektor Alexander Apkanejew, dass das Kaliningrader Gebiet aus Sicht des Konzerns als Territorium gelte, „in dem die Möglichkeit besteht, die Atomindustrie zu entwickeln". Seinen Angaben zufolge ist bereits eine Arbeitsgruppe aus „Vertretern des Konzerns, einigen Ministern und anderen Spezialisten" gegründet worden, um die konkreten Bedingungen für den Bau eines Atomkraftwerkes auszuloten.
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(tp/.rufo)
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