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| Langsam bleibt den Ostseebesuchern nicht mehr viel Platz am Strand von Selenogradsk. (Foto: jm/rufo) | |
Montag, 22.08.2005
Kaliningrad: Ostseestrand bald ohne Sand?
Kaliningrad. Die Kaliningrader Ostseebäder erfreuen sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Doch der Strandurlaub ist in Gefahr - starke Stürme und fehlender Küstenschutz lassen den feinen Sandstrand verschwinden.
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Urlauber im Kaliningrader Ostseebad Selenogradsk (Cranz) mussten diese enttäuschende Erfahrung erst kürzlich machen: Bei dem schweren Unwetter, dass die Exklave vor zwei Wochen heimsuchte, wurde auch der Strand des Ostseebades ein Opfer der Naturgewalten. Bis an die bröckelige Betonpromenade schlugen die Wellen und unterspülten das Fundament. Als sich das Unwetter verzogen hatte, war der mehrere Meter breite Sandstrand vielerorts verschwunden.
Vernachlässigter Küstenschutz
Im Prinzip ist dieser Vorgang Teil eines natürlichen Wechselspieles: Der bei Sturm abgeschwemmte Sand lagert sich vor der Küste an Sandbänken ab, bei Westwind wird er wieder an Land gespült – und der Strand ist wieder da.
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Schon zu deutschen Zeiten versuchten die Behörden, die Strände vor den Naturgewalten möglichst weitgehend zu schützen. Buhnen und Wellenbrecher sollten den anrollenden Wellen ihre Kraft nehmen. Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurden die effektiven Schutzanlagen stark vernachlässigt. Die alten Buhnen sind mittlerweile abgeschliffen und teilweise zerstört. Die Wellen können weitgehend ungehindert auf das Ufer treffen und sich an ihr zerstörerisches Werk machen.
Wird die Nehrung zur Insel?
Die jüngsten Versuche der russischen Behörden, der fortschreitenden Küstenzerstörung Herr zu werden, erwiesen sich indes als ungenügend. Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel der Kurischen Nehrung.
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| Mit Beton und Autoreifen versucht man in Kaliningrad der Küstenzerstörung Herr zu werden. (Foto: jm/rufo) | |
Vor allem bei der Ortschaft Lesnoje, an der engsten Stelle der Nehrung, sei es kritisch geworden, stellt Swetlana Koroljewskaja von der Verwaltung des Nationalparks „Kurische Nehrung“ fest. Auch Wissenschaftler warnen immer wieder davor, dass die Nehrung an dieser Stelle bald durchbrechen könnte, sofern nicht bald etwas geschehe.
Autoreifen und Beton als Notnägel
Mittels einer Konstruktion aus Beton und alten Autoreifen habe man dort versucht, der Erosion Herr zu werden, erzählt Koroljewskaja. Ursprünglich sollte die äußerst hässlich anzusehende Küstenschutz-Anlage noch mit Sand verkleidet werden - doch dafür reichte wieder einmal das Geld nicht aus. Die Nationalpark-Mitarbeiterin übt sich deshalb in Zweckoptimismus: „Immerhin hat es etwas geholfen. Die Situation dort hat sich ein bisschen verbessert.“
Ganz so überzeugt von dieser Methode sind die Mitarbeiter der Kaliningrader Abteilung der Russischen Geografischen Gesellschaft nicht. In einem Bericht warnen die Wissenschaftler schon vor unterspülten Küsten und Erdrutschen, die dicht am Strand gebaute Häuser, wie zum Beispiel in Selenogradsk oder Swetlogorsk, zum Absacken bringen könnten.
(jm/rufo)
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