Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Startseite


Das Atomkraftwerk Ignalina wird stillgelegt - neu gebaut wird ein Reaktor im benachbarten Kaliningrad (Foto: Archiv)
Das Atomkraftwerk Ignalina wird stillgelegt - neu gebaut wird ein Reaktor im benachbarten Kaliningrad (Foto: Archiv)
Dienstag, 08.09.2009

Kaliningrad: Litauen beteiligt an Atomkraft-Projekt?

Kaliningrad. Wird das im Gebiet Kaliningrad geplante Atomkraftwerk zu einem russisch-litauischen Gemeinschaftsprojekt? Aus der baltischen Nachbarrepublik mehren sich Stimmen, die für eine Beteiligung plädieren.

Das hundert Kilometer östlich von Kaliningrad geplante "Baltische Atomkraftwerk", Projektname BAES, ist das erste AKW in Russland, an dessen Bau und Betrieb von vornherein die Beteiligung privater Partner möglich und auch vorgesehen ist. Ausländische Investoren könnten bis zu 49 Prozent der Anteile halten.

Mehrere große europäische Energieunternehmen hätten bereits Interesse an einer BAES-Beteiligung bekundet, sagte Sergej Bojarkin, stellvertretender Chef des Staatskonzerns RosEnergoAtom, der die zehn zivilen AKW in Russland betreibt. Einzelheiten zu den potenziellen Investoren nannte Bojarkin in dem Interview nicht, doch einer der Interessenten ist offenbar Litauen.

Die baltische Nachbarrepublik würde, zusammen mit Lettland, Estland und Polen, zu den potenziellen Abnehmern von Atomstrom aus dem Kaliningrader Gebiet zählen.

AKW Kaliningrad soll für Stromexport produzieren


Die Kapazität des BAES, 2,3 Megawatt, ist auf Export ausgelegt: Nur ein Drittel der in der russischen Exklave produzierten Elektroenergie ist für den Eigenbedarf bestimmt. Der Rest soll verkauft werden - nur für diesen Fall würde sich das AKW nach Ansicht von Experten überhaupt rechnen.

Ignalina vor dem Aus - Stromdefizit in Litauen


Und Litauen hat ein Stromproblem. Der letzte Block des AKW Ignalina, einem 1979 in den waldreichen Nordosten der damaligen Sowjetrepublik gepflanzten Meiler vom Katastrophen-Typ Tschernobyl, muss bis Ende des Jahres 2009 vom Netz. Das war eine Bedingung für den EU-Beitritt.

Bei Russland-Aktuell
• Zivilgesellschaft? Russen protestieren gegen AKW-Bau (02.09.2009)
• Kaliningrad: Proteste gegen Atomkraftwerkspläne (09.02.2007)
• Greenpeace: Deutscher Atommüll in Petersburg gelandet (11.10.2007)
• Ausschreibung für neues Atomkraftwerk in Weißrussland (29.06.2007)
• Putin fordert 26 neue AKW am Jahrestag von Tschernobyl (26.04.2007)
Doch Litauen zählte bis dato zu den Ländern mit dem höchsten Atomenergieanteil weltweit - und erzielte mit dem Verkauf von Atomstrom noch kräftige Einnahmen. Auch das Gebiet Kaliningrad bezog bislang aus Litauen einen Großteil seines Stroms. Das Aus von Ignalina trifft somit auch die russische Exklave - doch die Republik Litauen trifft es gleich in doppelter Hinsicht.

Geplant ist daher der Neubau eines AKW, gemeinsam mit Polen und den baltischen Nachbarrepubliken Estland und Lettland. Doch "Ignalina-2" wird kaum vor 2018 ans Netz gehen. Frühestens.

Vor diesem Hintergrund mehren sich in Litauen Stimmen, die für einen Einstieg in das Kaliningrad BAES plädieren. Ein solches Beteiligungsmodell sei "realistisch und bedenkenswert", meinte etwa Ex-Premier Algirdas Brazauskas (Brasauskas)in dieser Woche. "Es macht Sinn, diese Variante ernsthaft zu prüfen. Die Kapazität des Kaliningrader Kraftwerks wäre groß genug, um den Strombedarf Litauens zu decken."

Die Pläne für das BAES seien jedenfalls konkreter und seriöser als das Projekt Litauens und seiner drei Nachbarn, ein gemeinsames AKW zu bauen. "Die Partner sind bisher doch über leere Gespräche nicht weit hinausgekommen."

"Je mehr Partner, desto mehr Interessen"


Auch der Chef des vor der Schließung stehenden Ignalina-Kraftwerks, Viktor Schewaldin, kritisierte jüngst in einer estnischen Zeitung das litauisch-lettisch-estnisch-polnische Gemeinschaftsprojekt. "Zu viert kann man gut Wodka trinken, aber kein Atomkraftwerk bauen." Je mehr Partner, destomehr verschiedene Interessen kämen ins Spiel - und damit "Widerstände und die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Vorhaben nichts wird."

Schewaldin plädiert daher für eine Modernisierung der veralteten RBMK-Reaktoren. Das sei technisch möglich und in einigen russischen AKW bereits praktiziert worden, nach einer solchen Rekonstruktion könne man die Ignalina-Blöcke noch einmal "bis 2030-35 nutzen". Diese Variante freilich gilt als nicht durchsetzbar. Brächte daher eine litauische Beteiligung am BAES die Lösung?

Eigenes AKW nicht um jeden Preis


In der vergangenen Woche hat sich erstmals auch die neue Staatspräsidentin Dalia Gribauskaite indirekt zu dem Thema geäußert. Man müsse nicht unter allen Umständen und um jeden Preis ein eigenes AKW bauen, zitiert sie eine litauische Zeitung. Ob Litauen ein Land mit Atomenergie bleibe, werde eine strategische Untersuchung zeigen, wo die finanziellen Mittel für die Energieversorgung des Landes besser und effektiver angelegt seien.

Bei Russland-Aktuell
• Neues Atomkraftwerk bei Kaliningrad mit Siemens-Hilfe (22.06.2009)
• Siemens: Einstieg in Kaliningrader AKW-Projekt? (19.02.2009)
• Kaliningrad: Atomkraftwerk contra Energie-Defizit? (27.08.2008)
• Kaliningrad: Proteste gegen Atomkraftwerkspläne (09.02.2007)
• Neue Gasleitung für die Ostseeexklave Kaliningrad (05.01.2005)

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit


Die Pläne, im Gebiet Kaliningrad ein Atomkraftwerk zu bauen, sind tatsächlich konkreter und fortgeschrittener als das litauische Projekt Ignalina-2. Baubeginn soll schon 2010 sein. Der erste Block der WWR-Druckwasserreaktoren soll bereits 2016 ans Netz.

Eine wirkliche Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Genehmigungsverfahren hat es allerdings bis heute nicht gegeben. Wo genau der Meiler gebaut werden soll - kaum jemand weiß es. Im Nordosten des Gebietes, im Rayon Neman (Ragnit), nur soviel ist bekannt.

Gegner des BAES, allen voran die Kaliningrader Umweltschutzorganisation EkoSaschtschita, wurden kriminalisiert - Gouverneur Georgi Boos etwa warf den Atomgegnern in einer Veranstaltung vor, die Öffentlichkeit "gezielt zu desinformieren" und "Panik zu schüren".

Kurz darauf erschien in einer großen Kaliningrader Tageszeitung ein Beitrag, der EkoSaschtschita als eine von einer deutschen Stiftung finanzierte Organisation darstellte, über die sich der Westen in innerrussische Angelegenheiten einmische.

Die Proteste gegen das BAES laufen ins Leere.

Befürworter hingegen dürfen in Kaliningrader Zeitungen ganze Seiten füllen mit ihren Argumenten. So baut man ein Atomkraftwerk natürlich schneller.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 08.09.2009
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Kaliningrad kompakt
09.10.2015Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
25.06.2015Kaliningrad bangt um Fußball-Weltmeisterschaft
25.05.2015Einiges Russland endet im Ostseehafen Baltijsk
16.01.2015Stürme entfachen Bernsteinfieber in Kaliningrad
03.07.2014Kaliningrader Gouverneur fürchtet Maidan an der Ostsee
17.04.2014Kaliningrad opfert für Fußball-WM 2018 Grünflächen
03.01.2014Verlorenes Erbe: Kants Spuren verschwinden in Kaliningrad
05.12.2013Aus Königsberger Kreuz-Apotheke soll Hotel werden
11.10.2013Putin entschärft litauisch-russischen Handelsstreit
01.10.2013Schmelztiegel Schlossplatz vereint Kulturen
09.08.2013Völliger Blackout in der Region Kaliningrad
05.07.2013Polen verschärft die Visaregeln für Kaliningrader
29.05.2013Kaliningrads Bürgermeister besitzt heimlich Villa in Cannes
22.05.2013Umfrageåtief: Kommunisten in Kaliningrad vor Kremlpartei
03.05.2013Lasch-Bunker eröffnet nach Renovierung

Mehr Kaliningrad bei www.kaliningrad.aktuell.ru >>>

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt
[Alt-Text]

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru





top us casino sites for you!! casino payment solutions http://www.playonlineblackjack.us.com/ best us deposit bonus casinos Dragon Orb and many more the newest online slot play trusted online casinos still accepting U.S. players best online blackjack review Do you want to play real money slots 24/7?) Click to grab your slots bonus - up to $2500) best online casinos for usa players + Play the best casino games + Claim generous slots bonuses I found the best online casino bonus us friendly ever. Play online casino games with the best bonuses. TOP USA Casinos accepting credit cards - Visa, Mastercard, Amex - reliable deposits. One of the most popular casino sites among slots lovers. Start playing Polar Explorer, one of RTG's newest slots machines at rtgbrands. slots games how to win in vegas slots best online casino allow us customers big bonus online gambling sites