Freitag, 08.06.2007

Kaliningrad: „Las Vegas“ an der Bernsteinküste?

Sind die Würfel schon gefallen für den Casino-Standort Kaliningrad? (Foto: Poljakow/.rufo)
Kaliningrad. Die in Moskau ausgebrüteten Pläne für den Bau einer luxuriösen Casino-Stadt an der samländischen Ostseeküste nahe der Siedlung Jantarny (Palmnicken) nehmen Form an. Trotz aller Proteste vor Ort.
Das mit der Vor-Projektierung beauftragte, in den USA registrierte Architekturbüro „Ide-Attack“ hat jetzt einen ersten Entwurf vorgestellt. Demnach wird der so genannte „Themenpark Bernsteinküste“ auf einer Gesamtfläche von mehr als 500 Hektar längs der Ostsee aus bis zu zehn Arealen bestehen und soll neben mehreren Nobelhotels, exklusiven Wohnquartieren, einem SPA-Center und einem riesigen Aquapark vor allem eines bieten: Spielcasinos.

Bereits die Projektnamen sind einer pompöser als der andere: Elite-Tower, Zarenpalast, Meereshof, Neonplaza. Die ersten Vergnügungstempel der Luxus-Class sollen laut bisheriger Planung 2010 öffnen. Die Investitionskosten des baltischen Las Vegas, einer der künftigen vier offiziellen Glückspielzonen in Russland, werden mit rund 20 Milliarden US-Dollar beziffert.

Widerstand gegen den "Sündenpfuhl"



Im Kaliningrader Gebiet stößt die Aussicht, zum Roulette-Tisch für Moskauer Superreiche zu verkommen, auf wenig Gegenliebe. Der Duma-Abgeordnete Wladimir Nikitin initiierte bereits eine Unterschriftensammlung gegen den „Las-Vegas-Wahnsinn“: Die Kaliningrader selbst hätten von den Casinos nämlich gar nichts. Andersherum, so Nikitin, ließen sich schon mit einem Teil der gigantischen Bausumme sämtliche sozialen Probleme der Region auf einen Schlag lösen. Auch die Orthodioxe Kirche lehnt das vermeintliche „Sündenbabel“ an der Küste entschieden ab.

Die Befürworter, zu denen bislang auch Gouverneur Georgi Boos zählt, sagen der Küste einen steilen Aufstieg durch wachsende touristische Anziehungskraft und Bekanntheit voraus. Vor allem die Siedlung Jantarny werde davon profitieren.

Las Vegas an der Bernsteinküste? In der Tat hat Jantarny außer dem weltweit einzigen Bernsteintagebau (der freilich nebst dem dazugehörigen Kombinat ständig irgendwie pleite und außerdem Sperrgebiet ist) touristisch kaum etwas zu bieten. Dass ausgerechnet ihnen das „Neu-Russisch Roulette“ den Aufschwung bringt, daran freilich glauben in dem heruntergekommenen Nest wohl nur die wenigsten. (tp/.rufo)