Wie diese Kirche in Bagrationowsk werden viele Sehenswürdigkeiten im Grenzgebiet unzugänglich. (Foto: tp/.rufo)
Freitag, 03.07.2009
Kaliningrad: Grenzsperrzonen weiter verschärft
Kaliningrad. Die Regelungen der Grenzsperrzonen werden weiter verschärft. Lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit für das Ausstellen eines Passierscheins bisher bei etwa einer Woche, soll sie künftig 60 Tage dauern.
Nach Informationen aus mehreren Kaliningrader Reisefirmen, die das Beantragen von Grenzpassierscheinen für Ausländer als Dienstleistung anbieten, wird die verschärfte Bearbeitungsprozedur von der Grenzschutzverwaltung bereits angewandt.
Damit wäre es einem Touristen, der durchschnittlich eine Woche in Kaliningrad bleibt, de facto unmöglich, Orte innerhalb des sieben Kilometer breiten Grenzsperrgürtels zu besuchen – denn zum Beantragen des Passierscheins (Propusk) muss ein gültiges Visum vorliegen, und das haben viele Reisende in aller Regel nicht schon zwei Monate vor Fahrtantritt.
Zudem gibt es den Propusk jetzt nur noch für jene Orte, die im Antrag aufgelistet sind - und nicht mehr, wie anfangs praktiziert, pauschal für das gesamte Grenzgebiet der Exklave.
Auch die Regelung, dass etwa eine Busreisegruppe den Sperrgürtel befahren darf, wenn der (russische) Reiseleiter über einen speziellen Passierschein verfügt, gilt nicht mehr. Jetzt braucht jeder Reisende seinen persönlichen Zettel.
Das Gebiet Kaliningrad sei groß genug, es gäbe genügend Reiseziele und -orte außerhalb der Sperrgebiete, kommentierte ein Sprecher der Grenztruppen, angesprochen auf die Behinderung des Tourismus, dieser Tage im Interview einer Kaliningrader Zeitung lakonisch.
Beliebte Ostpreußen-Reiseziele wie die Rominter Heide und große Teile der Elchniederung am Kurischen Haff sind durch die Grenzzonenregelungen für Touristen quasi tabu.
Die Grenztruppen haben ihre Kontrollen längs der Sperrzonen deutlich verstärkt. Vor allem entlang der polnisch-russischen Grenze zwischen Schelesnodoroschny (Gerdauen), Krylowo (Nordenburg) und Osjorsk (Darkehmen) wurden an vielen Straßen, die in Richtung Grenze führen, feste Kontrollpunkte eingerichtet, an denen bewaffnete Grenzsoldaten jedes Fahrzeug kontrollieren – zum Teil mit Unterstützung von örtlichen Kosakenverbänden.
Hindernis auch für die Geschäftswelt
Doch nicht nur für Touristen, vor allem auch für die im Gebiet lebenden und arbeitenden Ausländer werden die restriktiven Regelungen immer mehr zu einer ernsthaften Belastung.
Der deutsche Babynahrungshersteller Hipp etwa, der derzeit eine moderne Produktionsstätte nahe der Grenze bei Mamonowo baut, hat große Schwierigkeiten mit den entsprechenden Passierscheinen. Die Lage nahe der Grenze, anfangs als Standortvorteil erhofft, wurde zum Fluch.
Die Kaliningrader Assoziation ausländischer Investoren (FIAS) hat sich in dieser Woche mit der dringenden Bitte an die Gebietsregierung gewandt, sich für eine Lockerung des derzeitigen Verfahrens der Aufenthaltsregeln in den Kaliningrader Grenzzonen einzusetzen.
„Die regionalen Behörden werben für den Standort Kaliningrad, weil es nah an der Grenze liegt. In Wirklichkeit hat sich die Grenznähe als ein großes Hindernis erwiesen, vor allem für die Unternehmen wie Viciunai Rus in Sowetsk, Rosbaltikum in Neman, Hipp in Mamonowo, Landis Trading in Bagrationowsk, die direkt in der Grenzzone liegen“, sagt FIAS-Geschäftsführer Oleg Skworzow.
Die in einer eigens einberufenen Sondersitzung der FIAS anwesenden Vertreter der Kaliningrader Grenzschutzbehörde und der Gebietsregierung sagten laut einem Bericht der Kaliningradskaja Prawda zu, die Föderale Grenzschutzver- waltung in Moskau sowie die Regierung über die Schwierigkeiten im verschärften Grenzzonenprocedere zu informieren.
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Der sibirische Frost hat auch Kaliningrad fest im Griff: Der Meteorologische Dienst sagt für das Wochenende Temperaturen von bis zu -30 Grad voraus. Im Ostseebad Selenogradsk ist man dann bereits nah am historischen Kälterekord: Am 25. Januar 1942 waren hier minus 33,1 Grad gemessen worden. ( Topfoto: Plath/.rufo)