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| Ein riesiges Haff wie leergefegt: Hafeneinfahrt in Nida. (Foto: Plath/.rufo) | |
Sonntag, 04.03.2007
Kaliningrad: Grenzen im Haff für Schiffsverkehr offen?
Kaliningrad. Noch in diesem Sommer sollen erstmals wieder Linienschiffe zwischen Kaliningrad, den Häfen der Kurischen Nehrung und Klaipeda verkehren. Doch es gibt Probleme: die Grenze zwischen Russland und Litauen.
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Vertreter der litauischen und der russischen Seite verständigten sich dieser Tage während der "Tage des Kaliningrader Gebietes" in Vilnius darauf, zügig alle Voraussetzungen für die Eröffnung einer solchen Schiffslinie zu schaffen. Wie die litauische Zeitung "Vakaru Ekspresas" berichtet, soll das Projekt zunächst mit einer Versuchsphase starten, um den Bedarf zu ermitteln.
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Sowohl in Klaipeda als auch in Kaliningrad setzt man große Hoffnungen in die Entwicklung des Wassertourismus und hegt entsprechende Entwicklungspläne. Doch während Litauen als EU-Mitglied mit liberalen Regeln für die Ein- und Ausreise auch auf dem Seeweg werben kann, ist das auf russischer Seite so einfach nicht.
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Ein dickes Problem: die Seegrenze des Kurischen Haffs. Die ist so dicht wie eine Grenze nur sein kann. Kein Wasserfahrzeug unter ausländischer Flagge darf sie überqueren, so nach wie vor die strikte Regelung
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Streitfall Frisches Haff – ein Abkommen aus den 60iger Jahren riegelt die Grenze ab
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Die Kaliningrader Regionalregierung versucht seit einiger Zeit zu erreichen, dass das Grenzregime gelockert oder eine Ausnahmeregelung erteilt wird. Solche Entscheiden freilich fallen, ein typisches Problem der Exlave, nicht in regionale Kompetenz.
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| Nur für Kaliningrader Seekanal offen: Frisches Haff bei Baltijsk. (Foto: Plath/.rufo) |
Die festgefahrene Situation auf dem kleineren "Frischen Haff" südwestlich von Kaliningrad zeigt, wie schwierig so eine Seegrenz-Öffnung in der Praxis zu realisieren ist. Auch das Frische Haff wird von einer Staatsgrenze geteilt - zwischen Russland und Polen. Und auch diese Grenze ist dicht.
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Ein Abkommen aus den 1960er Jahren riegelt auch hier die Passage für ausländische Boote ab. Die Wirtschaft auf beiden Seiten des Haffs leidet darunter. Touristische Projekte ebenso.
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Gebietsverwaltung und russische Regierung wollen die Seegrenze öffnen – der FSB nicht
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Seit zwei Jahren kämpft beispielsweise ein Schweizer Unternehmer darum, mit seinem luxuriösen Flusskreuzfahrtschiff, das er auf der polnischen Seite betreibt, Touristen von Elblag (Elbing) aus auch hinüber in das ehemalige Königsberg schippern zu dürfen. Die Nachfrage nach dieser Route ist groß.
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Die regionalen Behörden in Kaliningrad hatten schon zugestimmt, da kassierte der Inlandsgeheimdienst FSB in Moskau die Genehmigung wieder ein. Zuletzt setzte sich Premier Michail Fradkow persönlich dafür ein, dass verkrustete Grenzregelung aus tiefsten sozialistischen Zeiten endlich gelockert wird.
Offen ist die Seegrenze des Frischen Haffs nach wie vor nicht. Immerhin soll das nun in diesem Jahr passieren - angeblich sogar für ausländische Sportboote.
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Ein entsprechender Vertrag sei unterschriftsreif, bestätigte ein Vertreter des russischen Außenministeriums in der vorigen Woche in Kaliningrad.
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Vielleicht können bald deutsche Segler ins Haff kommen – aber Infrastruktur fehlt
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Im Fall des Kurischen Haffs hoffen die Kaliningrader, dass sie schneller vorankommen. Nachdem die Ostsee-Provinz jetzt von Moskau in den Status einer "Besonderen Touristischen Entwicklungszone" erhoben worden sein, bestehe große Hoffnung, dass die Grenzfrage schnell geklärt werde, sagte ein Stadtbeamter der Nachrichtenagentur Regnum.
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| Yachthafen-Nida: In Litauen boomt der Bootstourismus: Yachthafen in Nida (Foto: Plath/.rufo) | |
Die "Grenzfrage" ist nicht das einzige Problem. Wassertourismus und Weiße Flotte spielte bislang im Kaliningrader Gebiet quasi überhaupt keine Rolle. Entsprechend ist die Infrastruktur. Es gibt schlichtweg keine. Zwar schöne Reviere, aber weder ausgebaute Anlegestellen noch die üblichen Versorgungsstandards.
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Wollte ein Passagierschiff derzeit auf der russischen Seite des Kurischen Haffes festmachen, bliebe nur der verrottete Fischereihafen in Rybatschi (Rossitten) oder das nicht minder heruntergekommene Cranzbeek im Haffzipfel nahe des Ostsee-Kurbades Selenogradsk (Cranz).
Von dort fuhren in der Vorkriegszeit elegante Salondampfer nach Memel und Tilsit. Heute dümpeln an morschen Stegen nur noch ein paar verbeulte Angelkähne vor sich hin.
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Macht die EU-Festung die Grenze bald ganz dicht?
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| Für Massenansturm nicht richtig geeignet: Landgang an der Kurischen Nehrung (Foto: Mrozek/.rufo) |
Immerhin hat die Kaliningrader Regierung von Gouverneur Georgij Boos inzwischen ein Programm zur Entwicklung des Wassertourismus erstellen lassen, in dem der Ausbau der Häfen Rybatschi und Selenogradsk zu modernen Bootmarinas vorgesehen ist. Die Pläne sind fix und fertig, auch Geld liegt bereit: 120 Millionen Rubel (3,3 Millionen Euro) aus dem föderalen Haushalt. In diesem Jahr soll der Hafenbau beginnen.
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Bleibt noch das Grenzproblem. Selbst wenn sich die litauische und die russische Seite einige, droht da noch Ärger vom anderen Ufer: Ab 2008 wird Litauen Mitglied der Schengener Staatenverbundes.
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Dann weht an den Grenzen der Exklave Kaliningrad ein anderer Wind, auch auf dem Kurischen Haff. Denn die innere Freizügigkeit EU-Europas mutiert an seinen Rändern zur Festungsdenken, und über Löcher im Zaun wird Brüssel kaum begeistert sein. Schlechte Zeiten für Ausflugsschiffe zwischen Kaliningrad und Klaipeda.
(tp/.rufo)
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