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| Die Truppenstärke in der einstigen Militärregion Kaliningrad wird seit jahren kontinuierlich abgerüstet (Foto: Plath/.rufo) | |
Mittwoch, 27.01.2010
Kaliningrad: Gelassenheit zu Polens Raketenplänen
Kaliningrad. Amerikanische „Patriot“-Raketen samt Personal in Polen unweit der Grenze zum Kaliningrader Gebiet – es roch unlängst nach militärischem Streit. Kaliningrad selbst reagierte nicht, und das ist kein Wunder.
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Auf der Kaliningrader „Jantar“-Werft, zu sowjetischen Zeiten ein streng geheimer Militärbetrieb, werden neuerdings wieder kräftig Kriegsschiffe gebaut. Eins lief gerade vom Stapel, kurz vor Weihnachten: eine supermoderne Fregatta, 125 Meter lang und mit einem Arsenal von Marschflugkörpern, Raketen und Torpedos bewaffnet.
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Derzeit liegt das Kampfschiff am Ausrüstungskai, zwei weitere gleichen Typs sollen im Lauf des Jahres folgen und zu Testfahrten in die Ostsee auslaufen.
Dienen werden die drei Fregatten allerdings nicht der eigenen Flotte, sondern der indischen Marine. Die schwimmenden Raketenwerfer sind ein lukrativer Auftrag: 1,5 Milliarden US-Dollar bringt ihr Bau der Kaliningrader Schiffswerft ein.
Ein Signal dafür, dass Russlands westlicher Vorposten vor einem Rückfall in die Zeiten der weltweit höchstgerüsteten Region steht, sind die Schiffe keineswegs.
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Flotte: Modernisierung lange geplant Daran hat auch die dieser Tage von Polen verkündete Stationierung amerikanischer Patriot-Raketen unweit der Kaliningrader Grenzen nichts geändert. Bereits ab März sollen die US-Einheiten nahe der Stadt Morag bei Olsztyn Stellung beziehen.
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Zwar meldeten alle Kaliningrader Zeitungen das Thema auf ihren ersten Seiten. Und zunächst war auch in Agenturmeldungen sogleich davon die Rede, dass Russland als Gegenmaßnahme die Schiffe der Baltischen Flotte mit Präzisionswaffen aufrüsten werde (Russland-Aktuell berichtete).
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Der Flottenstab ließ das postwendend relativieren. Alle derzeitigen Modernisierungen von Schiffen, U-Booten und Flugzeugen einschließlich ihrer Bewaffnung und Ausrüstung vollziehe sich im Rahmen eines langfristiges Programms und habe nichts mit den polnischen Raketenplänen zu tun.
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| Modernisierung seit langem geplant: Samum-Luftkissen-Sturmboot der Baltischen Flotte. (Foto: Plath/.rufo) | |
Es ist ein kein Geheimnis, dass Russlands Ostseemarine, unter anderem in Batijsk (Pillau) stationiert, zu einem wesentlichen Teil technisch veraltet und stark modernisierungsbedürftig ist. Was da in den Hafenbecken von Baltijsk an den Festmacherleinen liegt, ist sicher nicht schrottreif, doch zum Teil nicht weit davon entfernt.
Darum hatte Wladimir Putin schon zu Beginn seiner ersten Präsidentschaft während eines Besuchs in Baltijsk ein enstprechendes Modernisierungsprogramm angekündigt. Die jetzt in Zusammenhang mit der polnisch-amerikanischen Raketenstaionierung verkündete Aufrüstung der Baltischen Flotte geht auf Pläne zurück, die zwei Jahre alt sind.
Der Lada wird zum U-Boot So sollen die Ostseeeinheiten neue dieselelektrische U-Boote der Lada-Klasse erhalten, ausgerüstet mit hochpräzisen Raketen. Diese mittelgroßen Jagd-U-Boote, flottenintern als Klasse 677 bezeichnet, wurden in den 1990er Jahren zur Bekämpfung von Seezielen, zum Küstenschutz und zur Aufklärung entwickelt.
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Die Maschine eines Lada-U-Bootes arbeitet selbst bei Vollleistung praktisch geräuschlos. Die 67 Meter langen Tauchboote sind mit modernsten, auf Basis von Raumfahrttechnik entwickelten Navigationssystemen ausgestattet, die eine extrem schnelle und präzise Zielerfassung ermöglichen.
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Bei einer maximalen Tauchtiefe von 300 Metern kann die 35-köpfige Besatzung 45 Tage lang unter Wasser bleiben.
Gebaut werden soll die Lada-Serie – insgesamt ist von 50 Einheiten die Rede – in der Admiralitäts-Werft in St. Petersburg. Auch die Kaliningrader Jantar-Werft hat gerade einen Schiffsneubau im Auftrag des russischen Verteidigungsmninisteriums angekündigt.
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Doch auch dieses Projekt geht auf einen Vertrag aus dem Sommer 2009 zurück und kann damit schwerlich etwas mit der aktuellen Raketenstationierung bei Olsztyn zu tun haben.
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| Ein U-Boot der Baltischen Flotte ist bereits Exponat des Weltmeeresmuseums, weitere Anwärter gäbe es genügend (Foto: Plath/.rufo) | |
Seit Jahren kontinuierlich abgerüstet Es erscheint auch unwahrscheinlich, dass Moskau an einer Revitalisierung Kaliningrads als Militärregion gelegen ist. Die Pläne des Kreml mit seiner russischen Exklave an der Ostsee sind längst ziviler Natur.
Kontinuierlich ist die westlichste Region Russlands in den letzten Jahren abgerüstet worden – selbst in Zeiten, als noch die Pläne der USA von einem Raketenschild zur Terrorabwehr in der Luft lagen und Präsident Dmitri Medwedew für den Fall, dass Washington einen Teil dieses Systems nahe der russischen Grenze in Stellung bringt, die Stationierung von „Iskander“-Raketeneinheiten im Gebiet Kaliningrad angedroht hatte.
Doch der bei Tschernjachowsk (Insterburg) 80 Kilometer östlich von Kaliningrad geplante Iskander-Komplex sollte die Gesamttruppenstärke nicht erhöhen. Zur gleichen Zeit ließ Moskau 600 Panzer aus der Exklave abziehen. Als Präsident Obama im vorigen Sommer von den Raketenschild-Plänen abrückte, zog auch Medwedew umgehend seine Iskander-Drohung zurück.
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Zivile Entwicklungsstrategie Warum auch sollte Moskau eine Wiederbewaffnung Kaliningrads erwägen? Die ohnehin krisenanfällige geopolitische Lage der Provinz zwischen zwei EU-Staaten ließe ein neues Streitobjekt entstehen.
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Und das, wo es nach Jahren postsowjetischen Verfalls endlich aufwärts geht im alten Königsberg, auch wenn die globale Krise den Aufschwung derzeit empfindlich gebremst hat.
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Es gibt Großprojekte wie die für anderthalb Milliarden Euro entstehende Küstenautobahn „Primorsker Ring“, der geplante Bau eines Tiefwasserhafens mit Industriepark bei Swetly und die Öffnung der Seegrenzen auf dem Kurischen und dem Frischen Haff für den internationalen Schiffsverkehr.
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Dies und auch die für Mai dieses Jahres vorgesehene Eröffnung des neuen modernen polnisch-russischen Grenzübergangs Grzechotki stehen für die Brückenfunktion Kaliningrads zwischen der Europäischen Union und Russland – und für einen Kurs der Öffnung.
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Schaufenster Russlands in der EU Die Königsberg-Exklave ist erkennbar auf dem Weg, zum Schaufenster Russlands in der neuen EU zu werden. Die touristische Erschließung der Kurischen Nehrung und der Küste sollen Gäste und Kapital in die Ostseeprovinz locken.
Manche dieser Pläne mögen überzogen wirken, von einem Moskauer Hang zum Gigantismus geprägt. Doch eine Bedrohung seiner Nachbarn geht vom einst „größten Flugzeugträger der Sowjeunion“ nicht mehr aus.
Selbst in der Marinestadt Baltijsk, nach wie vor eine für Fremde gesperrte Insel innerhalb der Exklave Kaliningrad, beginnen sich die Zeiten zu ändern.
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Zwar braucht man immer noch einen Propusk (Passierschein), um in das alte Pillau hineinzukommen. Doch vielleicht nicht mehr lange. Die Eingangskontrollen sind bereits verschwunden, der Schlagbaum: abgerüstet.
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