Icons: Moderne Kunstausstellung beginnt mit Skandal
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Startseite


Zeitweilig wegen Bauarbeiten noch zweispurig: Neuer Autobahnzubringer bei Selenogradsk (foto:tp/rufo)
Zeitweilig wegen Bauarbeiten noch zweispurig: Neuer Autobahnzubringer bei Selenogradsk (foto:tp/rufo)
Dienstag, 10.11.2009

Kaliningrad: Erstes Teilstück der Autobahn fertig

Kaliningrad. Das erste Stück der Küstenautobahn „Primorsker Ring“ ist fertig: 27 Kilometer von Kaliningrad bis Selenogradsk (Cranz). Doch die Freude über die neue Schnellstraße trübt immer öfter das Wort „Maut“.

Vierspurig, flüsterleise, voll ausgeleuchtet und garantiert schlaglochfrei rollt der Verkehr seit einigen Tagen von Kaliningrad in Richtung Kurische Nehrung.

Der „Primorsker Ring“, Moskaus infrastrukturelles Prestigeobjekt in der Ostsee-Exklave, hat knapp ein Jahr nach Baubeginn sein erstes eröffnetes Teilstück. Alles an dieser Trasse ist mustergültig: Leiplanken, Beschilderung, die Qualität des Asphalts.

Man könnte ein randvolles Glas Wasser auf das Armaturenbrett stellen, ohne dass bei Tempo Hundert ein Tropfen überläuft. Für 6,4 Mrd. Rubel (ca. 152 Mio. Euro) lässt sich halt einiges bauen.

Die Schnellstraße verbindet nun die Gebietshauptstadt nicht nur mit dem Seebad Selenogradsk und der Nehrung. Sie schafft auch den überfälligen Anschluss an den Flughafen in Chrabrowo, der nun vom Kaliningrader Stadtrand in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Und wer sich traut, die Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer zu überschreiten, schafft es wohl auch in zehn Minuten zum Check-In.

Geplante Fertigstellung des Rings:2015


Knapp 180 Kilometer wird die Trasse insgesamt lang sein – ein Ring, der Kaliningrad mit den Seebädern, der Marinestadt Baltijsk und dem wachsenden Industrie- und Hafenzentrum Swetly verbindet. Geplante Fertigstellung: 2015.

In zehn Minuten am Flughafen: Wegweiser zur neuen Ringautobahn. (foto:tp/rufo)
In zehn Minuten am Flughafen: Wegweiser zur neuen Ringautobahn. (foto:tp/rufo)
An Bauabschnitt II wird mit Hochdruck gearbeitet. Er reicht vom Abzweig Selenogradsk bis Swetlogorsk (Rauschen) und soll im Frühjahr 2010 für den Verkehr freigegeben werden, um die im Sommer völlig überlasteten Chausseen zu den Badeorten von Stau und Stress zu befreien.

Vielleicht aber auch nicht. Gut möglich, dass sich viele Autofahrer auch künftig lieber die überfüllten Alleen entlangquälen. Wenn es so kommt, wie Gouverneur Georgi Boos sich das vorstellt. Der würde die neue Autobahn nämlich am liebsten zur Bezahlstraße erklären.

“Andere Quellen haben wir nicht!“


Boos plädierte diese Woche für die Gründung einer staatlichen Betrieberfirma, die, betriebsrechtlich dem russischen Transportministerium unterstehend, mit den Maut-Einnahmen die Unterhaltung der Straße gewährt.

„Es gibt diesen Vorschlag zur Finanzierung der laufenden Kosten, und ich sage gleich dazu, andere Quellen haben wir im Moment nicht“, zitiert eine regionale Zeitung den Gebietschef. Der versucht, seinen Landsleuten die Straßengebühr mit Blick in Richtung Westen schmackhaft zu machen: In ganz Europa breiteten sich mautpflichtige Autobahnen immer mehr aus. „Die einen nutzen es, um die Investition zu refinanzieren, die anderen sichern damit den Unterhalt der Straße. Um letztgenannte Variante geht es auch in unserem Fall.“

Edel-Autobahn braucht teuren Unterhalt


Der Gouverneur ist nicht der erste, der die Autofahrer für die Benutzung der neuen Trasse zur Kasse bitten will. Auch Russlands Transportminister Igor Lewitin hatte eine solche Möglichkeit schon angedeutet, als er die Straßenbaustelle, auf der allein im ersten Abschnitt drei Mio. Kubikmeter Sand verarbeitet wurden, im Juli besichtigte. Lewitin bezifferte die jährlichen Unterhaltungskosten mit rund 100 Mio. Rubel.

Ein beträchtlicher Teil dieser Summe dürfte allein für die lückenlose Flutbeleuchtung der Trasse ausgegeben werden, und inzwischen ahnt man, dass Lewitins Zahl eher untertrieben ist: Die Betriebskosten für das Winterhalbjahr inklusive Schneeräumdienst auf dem soeben eröffneten Abschnitt gibt die Gebietsregierung mit 17,8 Millionen Rubel an.

Drei Rubel pro Kilometer?


Nun nimmt die Debatte ihren Lauf. Kaum ist die Maut öffentliches Thema, taucht auch schon die erste Zahl auf: drei Rubel pro Kilometer. Mit diesem Betrag brachte sich in dieser Woche Alexander Mischarin ins Gespräch, seines Zeichens Abteilungsleiter Industrie und Infrastruktur im Transportministerium.

Bei Russland-Aktuell
• Medwedew besucht Kaliningrad: Pleiten, Pech und Pannen (26.09.2009)
• Kaliningrad: Erstes Autobahnteilstück im Oktober fertig (08.07.2009)
• Finanzkrise bedroht Kaliningrads Wirtschaftswunder (19.11.2008)
• Erste Autobahn für das Gebiet Kaliningrad ist im Bau (05.11.2008)
• Vorerst keine Touristenzone auf der Kurischen Nehrung (06.03.2008)
Eine einfache Fahrt von Kaliningrad nach Selenogradsk kostete demnach rund 80 Rubel, das sind knapp zwei Euro und mehr als das Doppelte, was man für ein Busticket auf der gleichen Strecke ausgibt.

Natürlich sei die Mautgebühr flexibel und abhängig von Tageszeit und Fahrzeugtyp, schränkte Mischarin ein. „Aber mit einem durchschnittlichen Preis von etwa drei Rubel müsste man schon rechnen.“ Dann freilich dürfte sich die Zahl der Autos auf dem Primorsker Ring doch arg in Grenzen halten.

Mautstellen sind nicht eingeplant


Alexander Rolbinow, Infrastrukturminister der Gebietsregierung, hält denn auch nicht viel von einer Mautpflicht auf der neuen Autobahn. Und es gäbe derzeit auch keinesfalls konkrete Pläne in diese Richtung.

Denn zum einen sei das technisch kaum durchsetzbar: „Der Primorsker Ring wird viele Kreuzungen und Ausfahrten haben, und man kann dort nicht überall Schlagbäume zum Kontrollieren oder Kassieren von Gebühren aufstellen.“

Vor allem aber sieht Rolbinow ein grundsätzliches Problem: „Diese Straße wurde nicht auf Rechnung eines privaten Investors gebaut, sondern ausschließlich aus Haushaltsmitteln, also faktisch mit dem Geld der Steuerzahler. Die haben dann auch das Recht, die Straße kostenlos zu benutzen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 10.11.2009
Zurück zur Hauptseite








Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Kaliningrad kompakt
20.04.2012Warmes Wochenende - und Frühsommer nächste Woche
19.04.2012Theater Tilsit zu Gast bei den Kieler Komödianten
17.04.2012AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
12.04.2012Gusewer Schülerterror schlägt hohe Wellen
29.03.2012Russland will Deutschland mit Atomstrom versorgen
28.03.2012Die Königsberger Stadthalle feiert 100. Geburtstag
22.03.2012Neue Fluglinie verbindet Kaliningrad und Kopenhagen
20.03.2012Gouverneur Zukanow im Guttenberg-Strudel
20.03.2012Gouverneur Zukanow im Guttenberg-Strudel
13.03.2012Architektengerangel um das WM-Stadion
12.03.2012dt. Diplomatie – Visastelle und Brückenbau
08.03.2012Katerstimmung nach der Wahl in Kaliningrad
05.03.2012Wahl: Kaliningrad verdirbt Putin die Siegerlaune
28.02.2012Stromversorgung stößt an Kapazitätsgrenze
27.02.2012Ostsee-Flotte beschießt Königsberger Dom

Mehr Kaliningrad bei www.kaliningrad.aktuell.ru >>>

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
St.Petersburg
Bau von Petersburger Chinatown um drei Jahre verlängert
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kopf der Woche
Putin: Wohin lenkt der \"unverschnörkelte Staatsmann\"?
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Donnerstag, 17. Mai
01:03 

Russland Geschichte: Djagilew erobert erneut Paris

Mittwoch, 16. Mai
18:25 

Ural: Eichhörnchen legen mit Nestbau Internet lahm

17:40 

Von wegen Boykott: Janukowitsch lädt zur Fußball-EM

16:54 

Behandlung von Timoschenko wieder aufgenommen

15:30 

„Spaziergänge“: als nächste marschieren Künstler

14:45 

Icons: Moderne Kunstausstellung beginnt mit Skandal

13:56 

G8 und APEC: Putins und Obamas Beziehungsprobleme

13:07 

Putin besucht als ersten Staat Weissrussland

11:50 

Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche

10:12 

Flugschreiber des abgestürzten SuperJet-100 gefunden

09:08 

Timoschenko lehnt aus Protest ärztliche Behandlung ab

01:03 

Geschichte Russland: Adelstöchter und Revolutionäre

Dienstag, 15. Mai
18:50 

Brandstiftung im Tierheim: 25 Hunde im Rauch erstickt

18:06 

Ukraine: Gericht verschiebt Prüfung im Fall Timoschenko

17:42 

Moskau: Kosovo bildet syrische Oppositionskämpfer aus

16:32 

Öffentlicher Nahverkehr in Petersburg wird teurer

15:23 

Nach Regierungswechsel: das Köpferollen kann beginnen

14:31 

Petersburg: „Kommunalkas“ noch im 22. Jahrhundert?

13:48 

Russland exportiert deutlich weniger Gas nach Europa

12:47 

Kremlpartei will keine Oppositionellen im Parlament

12:12 

Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi

09:57 

Wahl Medwedews zum Premier fordert Opfer im Kreml

08:48 

Sojus-Rakete mit neuer ISS-Besetzung gestartet

01:03 

Russland Geschichte: Waganowa-Ballettschule gegründet

Montag, 14. Mai
18:11 

Umfrage: 82 Prozent der Russen sind „glücklich“

17:06 

Spazieren gegen Putin: Tausende gehen durch Moskau

16:37 

Getöteter Wehrpflichtiger: Straßburg verurteilt Moskau

16:02 

Bau von Petersburger Chinatown um drei Jahre verlängert

15:12 

Russlands überlange Fußball-Saison ist zu Ende

14:00 

Gouverneur des Ural-Gebiets Swerdlowsk entlassen

12:54 

Polizei räumt Zeltlager der Umweltschützer nahe Moskau

11:56 

„Schwangere” outet sich nach OMON-Tritt als Student

10:40 

Gewinneinbruch bei Rusal: Reingewinn fällt um 84 Prozent

08:50 

VIP-Unfall: Gouverneursfahrer wg. Todesfahrt angeklagt

01:03 

Geschichte Russland: Katharina kehrt nach Marx zurück

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU
[Alt-Text]

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com