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| Die MS Vilnius pendelt in Zukunft zwischen Rügen und dem Gebiet Kaliningrad (Foto: Archiv) | |
Mittwoch, 31.10.2007
Kaliningrad: Eisenbahn-Fähre startet Linienbetrieb
Kaliningrad. Russlands Ostsee-Exklave Kaliningrad und Deutschland rücken weiter zusammen: Die Eisenbahn-Fähre „Vilnius“ hat den regulären Betrieb zwischen den Häfen Sassnitz/Mukran (Rügen) und Baltijsk aufgenommen.
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Einmal wöchentlich verkehrt das moderne Schiff künftig zwischen der Insel Rügen und dem neue Kaliningrader Fährhafen im einstigen Pillau: Laut offiziellem Fahrplan legt es jeweils donnerstags um 16 Uhr in Sassnitz/Mukran ab und läuft am Freitagmorgen gegen 9 Uhr Ortszeit in Baltijsk ein.
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Am gleichen Tag abends um 18 Uhr geht es von dort zurück in Richtung des östlichsten Tiefwasserhafens Deutschlands, wo die Fähre am Samstag um 10 Uhr festmacht. Die planmäßige Fahrzeit der „Vilnius“, die 90 Waggons der russischen Breitspur oder 108 Lkw-Trailer laden kann und Platz für 132 Passagiere hat, beträgt 16 Stunden.
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Deutsch-dänisch-russisches Gemeinschaftsprojekt
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Die Fährlinie, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Railion Deutschland AG, der dänischen Reederei DFDS A/S und der Russischen Staatsbahn RZD, ist die erste Nonstop-Verbindung auf dem Seeweg zwischen Deutschland und Russland. Sie startet in einer Zeit rapide wachsender Frachtverkehre im Ostseeraum.
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Entsprechend begrüßt wurde die erste reguläre Fahrt der „Vilnius“ am 17./18. Oktober von Sassnitz nach Baltijsk von den Beteiligten. Vor allem bei Railion, der für Güterverkehr zuständigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, setzt man große Erwartungen in die zulegenden Warentransporte zwischen Westeuropa und Russland.
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Alternative zum Landweg nach Russland
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| Westlichster Punkt des russischen Breitspur-Bahnetzes: Der Hafen Sassnitz-Mukran (Foto: faehrhafen-sassnitz.de) |
Mit der neuen Fährlinie verfüge man „ab sofort über eine weitere zuverlässige und leistungsfähige Verbindung in Richtung Osteuropa“, wie Railion-Vorstandsmitglied Eckart Fricke sagt: „Den Verkehren via Baltijsk kommt eine besondere Rolle zu, da die Anwendung des CIM-Frachtbriefs auf der Seestrecke und dem Streckenabschnitt bis zum Bahnhof Baltijsk die Abwicklung wesentlich beschleunigt, vereinfacht und eine Weiterführung der Verkehre nach Russland im Transit ermöglicht.“
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Der Eisenbahnfährbetrieb über Sassnitz und Baltijsk sei in diesem Sinne eine sinnvolle Ergänzung zum Bahn-Landweg über Polen nach Weißrussland. Deshalb sollte die deutsch-russische Fährlinie eigentlich schon längst laufen. Ihr regulärer Start war bereits für Dezember vorigen Jahres geplant, doch dachten sich die Beteiligten immer neue Ursachen aus, um die Verzögerung zu begründen:
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Bremser in der Bürokratie kosteten ein Jahr
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Erst war es der drohende Eisgang auf der Ostsee, dann waren angeblich noch Testfahrten nötig. In Wirklichkeit lief das ehrgeizige Projekt immer wieder in den bürokratischer Untiefen diverser untereinander zerstrittener russischer Behörden und Ministerien auf Grund. Auch der dem Geheimdienst unterstellte Grenzschutz und das Militär sahen das Fährschiff lieber an den Kaliningrader Hoheitsgewässer vorbei navigieren: Baltijsk ist Sitz der russischen Ostseemarine, nur zähneknirschend hatten die Admiräle einen Teil ihres streng geheimen Marinehafens für den Bau eines zivilen Fährterminals abgegeben.
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Als Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und sein russischer Amtskollege Igor Lewitin am 19. Oktober 2006 in Berlin eine „Gemeinsame Erklärung zum Ausbau der Seeverkehrsverbindungen zwischen Russland und Deutschland“ unterzeichneten, lag der Start des Fährlinie Sassnitz-Baltijsk in Wirklichkeit noch meilenweit hinter dem Horizont. Fast auf den Tag genau ein Jahr sollte es noch dauern, bis das Fährschiff nun seinen Regelbetrieb aufnahm.
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Für die Besatzung der „Vilnius“ ist die Route allerdings im Großen und Ganzen nichts Neues mehr. Die Fähre verkehrt bereits seit Juli 2006 zwischen Sassnitz und dem litauischen Klaipeda.
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Sassnitz setzt auf die russische Breitspur
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Es dauert halt alles so seine Zeit auf den sich ebnenden Wegen zwischen Moskau und Berlin. Um so mehr ist die neue Fährlinie für die beteiligten Häfen Grund zur Freude: Harm Sievers, Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz GmbH, hofft mit dem „Ostsee-Highway“ in Richtung Russland die Marktposition des größten Eisenbahnfährhafens Deutschlands weiter ausbauen zu können.
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Sassnitz-Mukran (Frachtumschlag fünf Mio. Tonnen und 750.000 Passagiere pro Jahr), wirbt nicht nur mit seiner zentralen Verkehrslage an der Nordspitze Rügens, sondern vor allem als Spezialhafen für den kombi¬nierten Eisenbahnfährverkehr: Die Gleis- und Umschlaganla¬gen ermöglichen das Verladen von kompletten Eisenbahn-waggons.
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| Infos zur Fährlinie Sassnitz–Baltijsk: |
www.faehrhafen-sassnitz.de Tel. 49-38392-646825 (Fährhafen Sassnitz), Tel. 7-40145-61065 (Hafen Baltijsk)
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Auch ist Mukran der einzige Hafen Mitteleuropas für Verkehre mit russischen Breitspurwaggons. Prognosen besagen, dass sich der Warenumschlag in Sassnitz bis 2016 mehr als verdoppeln könnte. Die ebenfalls geplante Fährlinie nach Ust-Luga bei St. Petersburg werde vier Tage schneller sein als der Zug, meint Sievers. Da Russland in den nächsten 20 Jahren praktisch die ganze Industrie erneuern müsse, würden große Anlagen und Maschinen aus Westeuropa benötigt. Sievers: "Die lassen sich am besten per Fährschiff transportieren."
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Baltijsk wandelt sich vom Sperrgebiet zum Frachtdrehkreuz
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Auch Baltijsk, als hermetisch abgeriegelte Militärstadt seit Jahrzehnten in seiner Entwicklung gebremst, will als Fährhafen von der Dynamik des Ost-West-Warentransports über die Ostsee profitieren. Die künftige Rolle der Hafenstadt könnte die eines Umschlagplatzes und Verteilers für das russische Hinterland sein.
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Georgi Sebow, Chef des Baltijsker Fährhafens, macht aus seiner Kalkulation keinen Hehl: „Der Warenumschlag wächst rasant, aber die Transitwege von Baltijsk vor allem durch Litauen, Polen und Weißrussland nach Russland sind zeitraubend und unsicher. Wir wollen uns davon unabhängig machen. Das ist unsere Chance."
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(Thoralf Plath/Kaliningrad/.rufo)
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