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So sieht es im Bernstein-Tagebau aus. Der Strand von Jantarny könnte ihm bald ähneln (Foto: tp/.rufo)
So sieht es im Bernstein-Tagebau aus. Der Strand von Jantarny könnte ihm bald ähneln (Foto: tp/.rufo)
Freitag, 27.05.2011

Jantarny: Bernstein-Bagger wühlen im Badeparadies

Kaliningrad. Das Bernsteinkombinat im Küstenstädtchen Jantarnyj (Palmnicken) hat ein neues Abbaugebiet entdeckt: den Strand. Nun gibt es Ärger mit den Badegästen. Auch die Gemeinde setzt eher auf den Tourismus.



Bernstein gibt es auf der samländischen Halbinsel noch für einige hundert Jahre. Russische Geologen schätzen die Vorkommen vorsichtig auf 350.000 Tonnen – allerdings lagert der Bodenschatz, angeblich fast 95 Prozent der bekannten globalen Vorräte, in Tiefen zwischen fünf und über 50 Metern.

Geologisch gesehen ist das wenig, für den industriellen Abbau ist es immer noch genug. Tagebauförderung ist aufwändig und teuer. Zudem nimmt die Ausbeute im Bernsteintagebau bei Jantarny, dem einzigen weltweit, immer mehr ab: Im vorigen Jahr gruben die Bagger dort 340 Tonnen Rohbernstein aus der berühmten blauen Erde. In guten Zeiten waren es mehr als doppelt so viel.

Am Strand ist leicht Bernstein fördern


Darum will das Bernsteinkombinat Jantarny nun eine neue Lagerstätte ausbeuten, sie liegt buchstäblich vor der Haustür: den Strand. Die Methode gilt als deutlich billiger: Wasser wird mit Hochdruck in spezielle Schächte gepumpt, die Bernsteinklumpen dabei aus dem brodelnden Wasser-Sand-Gemisch einfach ausgewaschen. Einen ersten Strandabschnitt hat das Werk bereits in Beschlag genommen. Hinter hohen Absperrzäunen wühlen schwere Raupenschlepper die Fördertechnik durch den Sand.

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Doch anders als in früheren Zeiten, als das in Jantarny beinahe allmächtige Kombinat rings um den Ort nach Bernstein (russ.: jantar) buddeln und graben konnte, wo immer es gerade wollte, regt sich nun Widerstand.

Er kommt aus der Tourismusfraktion: „Jantarny hat einen der besten Strände im gesamten Gebiet Kaliningrad. Kein Mensch kommt dort jetzt mehr ans Meer, weil für den Bernsteinabbau einfach die Treppe zum Strand abgesägt wurde“, empört sich Marina Drutman, Tourismusbeauftragte der früheren Gebietsregierung. „Wie können wir so etwas zulassen und dann noch von einer Anziehungskraft unserer Region für Touristen sprechen?“

Kommune will Badegäste statt Bagger – weil es mehr einbringt


Auch die Kommune muckt auf. Jantany ist unter Führung eines couragierten Bürgermeisters aus dem Dornröschenschlaf erwacht, will aus seiner Lage an der wildromantischen Samlandküste Profit schlagen.

Ein unlängst aufgelegtes Entwicklungskonzept schwärmt von Nobelhotels und Wellness-Tempeln, einen Yachthafen will man bauen lassen und Tennisplätze gleich nebenan. Alles noch etwas überzogen, etwas reichlich utopisch, aber die Richtung ist klar: Ostsee-Tourismus.

Beachvolleyball als neues Markenzeichen


Schon jetzt lockt der breite und feinsandige Strand, im Sommer Tausende Badegäste, Jantarny ist seit fünf Jahren Austragungsort des Beachvolleyball-Cups, zu dem auch Mannschaften aus anderen Ostseeländern anreisen.

Darum protestiert nun auch die Stadt heftig gegen die Bernsteinbagger im Badeparadies. Denn das reichlich angerostete Kombinat mit seiner Industriementalität kommt in den Plänen der Kommune nicht mehr vor. „Der Tourismus ist für unseren Haushalt deutlich einträglicher“, so Kreisratsvorsitzender Sergej Kopejka.

Kombinat: Der Strand wird rekultiviert


Der Bergleute vom Jantarny-Kombinat sind solche Töne nicht gewöhnt. Ein Sprecher der Werksleitung versucht die Wogen zu glätten: Der Bernsteinabbau werde nicht am gesamten Strand, sondern jeweils nur an ausgewählten Abschnitten erfolgen.

Man wolle auf diese Weise innerhalb von bis zu vier Jahren die gesamten Bernsteinvorkommen ausbeuten, der Strand selbst sei danach wieder touristisch nutzbar.

„Die von Urlaubern bevorzugten Bereiche werden davon ohnehin nicht betroffen sein. Und was die Volleyballplätze betrifft, so lassen sich die auch demontieren und an anderer Stelle schnell wieder aufbauen.“



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