Freitag, 25.02.2011

Gouverneur fordert: Casinos näher ran an Kaliningrad

So hätte man es gerne in Kaliningrad: Fröhlich Geld ausgebende Menschen an Spieltischen (Foto: Poljakow)
Kaliningrad. Vom Las Vegas an der Ostsee ist auch drei Jahre nach dem offiziellen Startschuss nichts zu sehen. Gouverneur Nikolai Zukanow will die Glücksspielzone daher näher an die Gebietshauptstadt heranholen.
Der Traum von der Casino-Industrie als sprudelnder Einnahmequelle liegt im Dörfchen Powarowka bei Jantarny unter einer dicken Schneeschicht begraben. Auf 600 Milliarden Rubel (15 Mrd. Euro) Investitionen hatte die Gebietsregierung gehofft.

Keine Investoren für das Bernstein-Las Vegas


Doch die Investoren bleiben aus. Sie wollen nicht in ein 500 Hektar großes Glücksspielreservat fernab der Zivilisation. Die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur sind hoch, die Erfolgsaussichten trübe.

Insgesamt soll es in Russland nur noch vier Regionen geben, in denen Glücksspiel erlaubt ist. Neben der Zockerzone Jantarnaja im Gebiet Kaliningrad sind das die Regionen Krasnodar, Altai und Primorje. Nur in Asow-City am Schwarzen Meer und in der „Sibirischen Münze“ im Altai gibt es schon Bewegung. Bei Wladiwostok dreht sich ebenso wenig am Roulettetisch wie in Kaliningrad – zumindest in dem offiziell ausgewiesenen Reservat.

Kaliningrad fürchtet um Steuereinnahmen


Das mangelnde Interesse der Casinobosse kommt Kaliningrads Etat teuer zu stehen. Seit das Glücksspiel offiziell verboten ist, gehen der Region pro Jahr geschätzt 300 Millionen Rubel (7,5 Mio. Euro) an Steuergeldern aus dem Glücksspiel verloren. Zudem hatten die Behörden auf zusätzliche Einnahmen durch einen Hotelbetrieb und andere Vergnügungs- und Freizeitparks im Einzugsbereich der Glücksspielzone gehofft.

Daher ergreifen die Behörden nun die Initiative. Der Vorschlag der Stadtverwaltung von Swetlogorsk (Rauschen), die Glücksspielzone dorthin zu verlegen, wurde von Gouverneur Nikolai Zukanow dankbar aufgegriffen.

Infrastruktur in Swetlogorsk schon vorhanden


Swetlogorsk liegt etwas dichter an Kaliningrad als Powarowka. Wichtiger jedoch ist, dass es zwischen Kaliningrad und Swetlogorsk seit Jahrzehnten eine gut ausgebaute Straßen- und Eisenbahnverbindung gibt. Als Seebad verfügt Swetlogorsk darüber hinaus schon über einen Teil der nötigen Infrastruktur.

Dadurch würden die Kosten für den Aufbau des Glücksspielreservats auf einen Bruchteil sinken, begründete Zukanow seinen Vorschlag. Kaliningrad hofft mit dem Schritt zudem, die Attraktivität seiner Seebäder für Touristen weiter zu steigern.

Allein kann Zukanow nicht über die Verlegung entscheiden. Sein Vorschlag muss von der Regierung in Moskau abgesegnet werden, die die vier Glücksspielreservate vor Jahren eingerichtet hat.

Einen entsprechenden Präzedenzfall gibt es mit der Verlegung von Asow-City näher heran an die Urlauberhochburg Anapa aber schon, worauf auch Zukanow verwiesen hat.