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Schöne neue Fußball-Welt: So könnte die Sporthalle des erdachten WM-Mannschafts-Quartiers und späteren Fußball-Trainingszentrums aussehen (Foto: newkaliningrad.ru)
Schöne neue Fußball-Welt: So könnte die Sporthalle des erdachten WM-Mannschafts-Quartiers und späteren Fußball-Trainingszentrums aussehen (Foto: newkaliningrad.ru)
Freitag, 13.07.2012

Fußball-WM 2018: Trainingslager am Frischen Haff?

Kaliningrad. Kaliningrads Hoffnung, zu den Austragungsorten der WM 2018 zu zählen, beschert manchem Ort neue Perspektiven: So soll im Fischernest Uschakowo ein Mannschaftsquartier mit allen Schikanen entstehen.

Als Uschakowo das letzte Mal von Bedeutung war, hieß es noch Brandenburg und bestand im Wesentlichen aus selbiger. Auf der Brandenburg, einer trutzigen Backsteinfeste am Frischen Haff, residierte Günther von Hohenstein, ein diplomatisch geschickter Komtur des Deutschen Ordens. Die Jahreszahlen begannen mit der Ziffer 13 und Königsberg war noch kein Jahrhundert alt.

Danach passierte nicht mehr viel. Gut, noch einmal, anno 1652, taucht Brandenburg als „offenes Stättlein“ in der Landeschronik auf, und Preußenregent Friedrich Wilhelm I. überlegte gar, dem Nest Stadtrechte zu verleihen. Daraus wurde dann doch nichts. Die Burg, ihr waren zwischenzeitlich die Ritter abhanden gekommen, begann zu verfallen, Bauherren auf der Suche nach Ziegeln halfen nach.

Heute ragen von ihr nur noch ein paar wüste Backsteinmauern hinter Holunder und Brennnesseln auf. Die Ruine steht zwar unter Denkmalschutz wie auch der Stumpen des Kirchturms auf der anderen Straßenseite, doch davon können sie sich auch nichts kaufen in dem 600-Seelen-Nest.

Uschakowo geht’s schlecht, seit auch noch die Fischereikolchose absoff nach dem Schiffbruch der Sowjetunion. Wer Arbeit sucht, muss 30 Kilometer in die Grenzstadt Mamonowo fahren, oder gleich nach Kaliningrad.

Aber jetzt geht’s hier bald anders lang. Brandenburg wird noch einmal berühmt. Vielleicht.

Dienstagabend trauten die Leute von Uschakowo ihren Augen nicht, als sie es in den Abendnachrichten des Lokalfernsehens erfuhren: Am Rand ihres Dorfes soll für den Fall des Falles, dass Kaliningrad einer Austragungsorte für die Fußball-WM 2018 in Russland wird, ein Mannschaftsquartier für das Championat gebaut werden.

Tribüne, Sporthalle, VIP-Zone, SPA-Hotel


Und zwar auf einem sechs Hektar großen Areal am Westrand des Dorfes, gleich neben einem Kinderferienlager, das auf den schönen Namen „Sonnenküste“ hört. Drei Spielfelder beinhaltet der Plan, den Juri Moskwitin, Chef der Abteilung Bau und Architektur in der Kreisverwaltung Gurjewsk (Neuhausen), in dieser Woche der Kaliningrader Presse vorstellte.

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Außerdem eine Tribüne für 900 Zuschauer, Halbfelder für das Üben von Elfmetern, Freistößen und Ecken, eine Sporthalle und ein Hotel – natürlich mit VIP-Zone und SPA-Center, ohne geht’s im Russland der Reichen und Schönen nicht mehr.

Nach der WM würde man das Camp dann zu einer Fußball-Akademie mit Leistungscenter für Fußballnachwuchs umfunktionieren. Wohl vor allem diese Nutzungsperspektive überzeugte letztlich auch Gouverneur Zukanow, der von der Uschakowo-Idee bislang nicht begeistert war: zu weit weg, zu teuer.

Die Befürworter argumentieren, dass auf dem vorgesehenen Areal bereits die gesamte Infrastruktur vorhanden sei – Strom, Gasanschluss, Straßenanbindung. Und dass eine solche Investition für die verarmte, strukturschwache Haffregion wie ein Konjunkturpaket wirkte.

Rayonverwalter wittern Jahrhundertgeschäft


In Wirklichkeit geht es wohl noch um etwas anderes. Das Grundstück gehört dem Rayon Gurjewsk. Dort dürfte sich mancher ein Jahrhundertgeschäft erhoffen, erfahrungsgemäß fällt bei solchen Projekten auch immer etwas für private Taschen ab.

Die Ruine der Brandenburg ist gegenwärtig das einzige leidlich Sehenswerte in Uschakowo (Foto: tp/.rufo)
Die Ruine der Brandenburg ist gegenwärtig das einzige leidlich Sehenswerte in Uschakowo (Foto: tp/.rufo)
Die Kosten für den Bau des Trainingscamps werden bislang mit rund 800 Mio. Rubel (ca. 20 Mio. Euro) beziffert, das sind noch einmal 200 Mio. Rubel mehr als für die Alternativvariante am Kaliningrader Stadtrand veranschlagt. Der nötige Bodenaustausch in den moorigen Haffwiesen mache das Projekt in Uschakowo so teuer, heißt es. Einen potenziellen privaten Investor gibt es laut Moskwitin bereits.

Vor allem im Ferienlager, in dem sich den Sommer über bis zu 2.000 Kaliningrader Kinder erholen, geht die Angst um, dass es hinter der Hülle des Fußballcamps nur darum gehe, lukrative Immobilien an private Investoren zu verscherbeln.

„Man weiß doch, wie das läuft. Als nächstes sind wir dann dran“, schimpft eine Mitarbeiterin. „Für die einfachen Leute ist immer weniger Platz. Gebaut wird hier doch nur noch für VIP und Reiche.“

Der Chef heißt auch noch Podolski


In der Rayonverwaltung Gurjewsk betont man, dass das Ferienlager nichts zu befürchten habe. Im Gegenteil: Es werde von der Erschließung als künftige Fußball-Akademie profitieren, meint der Landrat. Er heißt Sergej Podolski.

Einem Mann mit diesem Namen sollte man im Fußball eigentlich glauben können.

Einen Haken hat die Geschichte freilich: Noch ist nicht ausgemacht, ob Kaliningrad denn überhaupt zu den Austragungsorten der WM zählen wird. Vor Ort scheint daran zwar kaum noch ein Lokalpatriot Zweifel zu hegen, doch die FIFA wird darüber frühestens im Oktober entscheiden.

Anwärter gibt’s mittlerweile genug – mit größtenteils weit besseren Voraussetzungen, was vorhandene Infrastruktur betrifft. Die WM-Chancen für Kaliningrad stehen wegen des gewaltigen Investitionsbedarfs in etwa so wie die des Torwarts beim Elfmeterschießen.

Doch Fußball lebt von Wundern. Und Kaliningrad derzeit aus einer großen Hoffnung: Königsberg 2018.



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Uwe Niemeier 13.07.2012 - 16:28

Fast zuviel Hoffnung ...

Also, dass Kaliningrad Austragungsort wird - daran habe ich keine Zweifel (ich will keine haben). Elf Austragungsstädte werden benötigt, 13 stehen zur Zeit noch auf der Liste. Und Kaliningrad ist die am westlichsten gelegene Stadt und am besten erreichbar für alle Fans. Alles, was jetzt schon angeschoben wurde ... der Zug hat schon Fahrt aufgenommen. Es gibt einen neuen Vertreter des Präsidenten für Kaliningrad ... und es MUSS etwas getan werden um die unzufriedenen Kaliningrader neu zu motivieren. Deshalb glaube ich an Kaliningrad 2018, aber Königsberg 2018 - dazu bedarf es dann wirklich noch ein wenig mehr Wunder (Optimismus). Auf alle Fälle habe ich die Flasche Champagner schon mal gekauft, in den Kühlschrank wird sie dann im September gepackt.


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