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| Grenzstau in Kaliningrad ist nichts Ungewöhnliches. Aber 1.000 Pkw in einer Schlange sind mehr als üblich (Foto: Plath/.rufo) | |
Freitag, 05.12.2008
Blechlawine verstopft Kaliningrader Grenzübergänge
Kaliningrad. Die Ankündigung, den Zoll für Importautos drastisch zu erhöhen, hat zu Chaos an den Grenzen der russischen Exklave Kaliningrad geführt. Denn alle wollen nun noch schnell ihren „Westwagen" einführen.
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Die Zigarettenschmuggler an den Grenzübergängen zwischen Polen und Kaliningrad sind hart im Nehmen, aber in den letzten Tagen blieben die meisten von ihnen lieber zu Hause.
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Ausnahmezustand an der Grenze An den Checkpoints der russischen Exklave herrschte Ausnahmezustand. Hunderte Autos stauten sich auf polnischer Seite kilometerweit ins Hinterland zurück. Die Wartespuren waren hoffnungslos überlastet, an den beiden größten Grenzübergängen Bagrationowsk-Bezledy und Mamonowo-Gromowo stauten sich am Wochenende zeitweise fast 1.000 Pkw: Gebrauchtwagen der Mittel- und Oberklasse, Mercedes, Audi, BMW, große Vans, Geländewagen - und fast alle mit Transitkennzeichen aus Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich.
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Die Bilder erinnerten sehr an die chaotischen Verhältnisse der 1990er Jahre, als Hunderte so genannter Tschelnoki, zwischen Polen und Russland hin- und herpendelnder Kleinhändler und Autoschieber die Kaliningrader Grenzübergänge dauerbelagerten.
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Inzwischen hat sich die Situation etwas entschärft. Aber immer noch sind die Warteschlangen lang.
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Authändler sauer auf russische Grenzer Es sind Kaliningrader Autohändler. Und sie sind wütend. Die Stimmung ist gereizt, nur mit Mühe konnten Grenzsoldaten am Wochenende in Bagrationowsk verhindern, dass die frustrierten Männer aus Protest sämtliche Ein- und Ausreisespuren dichtmachten.
Wer Schuld ist an dem Chaos, steht für die Wartenden fest, und ausnahmsweise steckt dahinter einmal nicht die bei den Russen verhasste polnische Grenzabfertigung. „Es ist unser eigener Zoll. Die bearbeiten fünfzig Autos am Tag, dreimal weniger als sonst. Aber da drüben stehen inzwischen fünfhundert", schimpft einer der Importeure, der gerade einen zwei Jahre alten Ford Mondeo mit Nürnberger Ausfuhrkennzeichen über den Grenzübergang Mamonowo gebracht hat - nach zwei Tagen Wartezeit.
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Importzölle steigen um 30 Prozent Ausgelöst wurde die erneute Blechlawine ist eine Ankündigung der russischen Regierung, die Einfuhrzölle für Gebrauchtwagen aus dem Ausland ab Anfang 2009 um bis zu 30 Prozent zu erhöhen.
Die Maßnahme soll die einheimische Autoproduktion schützen - zumal inzwischen viele westliche Autokonzerne ihre Pkw in Russland montieren lassen. Ab wann genau die neuen Zollsätze gelten sollen, weiß so recht noch niemand, doch die Kaliningrader haben ihre Erfahrungen mit solchen Aussichten, und es sind keine guten.
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Die Ostsee-Exklave Kaliningrad ist eine Drehscheibe für den russischen Gebrauchtwagenhandel. Der Automarkt in Borisowo gilt als einer der größten Osteuropas, auf dem riesigen Freigelände am Kaliningrader Stadtrand steht vom VW Golf bis zum Hummer-Geländerwagen alles versammelt, was auch auf westlichen Straßen rollt, in Spitzenzeiten wechselten hier schon mehr als 10.000 Wagen pro Woche den Besitzer.
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Autohändler aus ganz Russland kommen traditionell nach Königsberg, um Nachschub zu ordern. Eine ganze Branche aus Werkstätten und Ersatzteilläden lebt von dem Geschäft. Die Ostsee-Exklave war jahrelang durch besonders niedrige Einfuhrzölle begünstigt. Auf Kaliningrader Straßen sieht seither fast nur noch westliche Automodelle, Moskwitsch, Lada & Co. sind in Russlands westlichster Provinz beinahe so selten wie in Deutschland.
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Zoll verweigert Kommentar Doch seit 2005 ist es mit diesen Zollprivilegien vorbei. Und Moskaus Pläne, die Importsteuer nun ein weiteres Mal drastisch anzuheben, droht nun in Kaliningrad einen ganzen Wirtschaftszweig abzuwürgen. Schon jetzt kostet ein dreijähriger Mittelklassewagen rund 3.500 Euro Zoll - ein Durchschnittsrusse geht dafür ein halbes Jahr arbeiten. Darum machten sich nach der Ankündigung neuer Zollsätze in den letzten Tagen Hunderte Kaliningrader auf den Weg gen Westen mit einem Ziel: Deutschland, Autohaus.
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Der russische Zoll will die Situation nicht kommentieren. Man arbeite im Normalbetrieb, hieß es gestern nur. Den Vorwurf, man fertige absichtlich langsam ab, möglicherweise auch auf Druck „von oben", wies die Gebietszollverwaltung aber zurück. „Es gibt bisher weder Gesetz über neue Zollsätze noch einen konkreten Zeitpunkt, wann sie inkrafttreten", sagte ein Sprecher. „Wenn aufgrund von Gerüchten längere Wartezeiten an der Grenzen entstehen, ist das nicht unsere Schuld."
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(tp/.rufo/.kaliningrad)
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