Mittwoch, 01.06.2011

Berlin-Kaliningrad: Der Königsberg-Express fährt wieder

Der Bahnhof Kaliningrad (Foto: Thoralf Plath/.rufo)
Kaliningrad. Zwischen Berlin und Kaliningrad gibt es seit dem 29. Mai wieder eine direkte Zugverbindung. Der unter Königsberg-Reisenden mittlerweile legendäre himmelblau-weiße Kurswagen verkehrt täglich ab Berlin Bahnhof Zoo.
Königsberg-Express Fahrplan
Die täglichen Abfahrtszeiten nach Informationen der Bahn: Bf. Zoo 20.46 Uhr, Hauptbahnhof 20.50 Uhr, Ostbahnhof 21.08 Uhr. Fahrtzeit knapp 17 Stunden. Ankunft gegen 16 Uhr Moskauer Zeit in Kaliningrad/Südbahnhof an.

Von dort geht es um 18.23 Uhr (wie auf russischen Bahnhöfen üblich Moskauer Zeit) retour über Mamonowo, Branijewo, Elblag, Malbork, Poznan und Frankfurt/Oder nach Berlin.

Die Zeiten gelten vorerst bis zum Ende des Sommerfahrplans am 2. Oktober.

Nähere Auskünfte per Telefon 49.1805.141514, Info in Kaliningrad: 8-800-7750000
Mit der Wiederbelebung des Königsberg-Express gibt es für Reisende rechtzeitig vor der Tourismussaison wieder eine bequeme Möglichkeit, Russlands Ostsee-Exklave mit einem öffentlichen Verkehrsmittel direkt zu erreichen.

Der deutsch-russische Pendelverkehr der lebhaften Kaliningrader Kleinbus-Szene gilt wegen oft übermüdeter Fahrer, ihrer nicht selten halsbrecherischen Fahrweise und des mitunter zweifelhafter technischen Zustands der „Sprinter“ nur unter nervenstarken Reisenden als Alternative.

Das Flugzeug ist seit dem endgültigen Aus von KD Avia wieder zu einem umständlichen und teuren Verkehrmittel geworden für die Kaliningrad-Reise: Ostpreußens einstige Hauptstadt über Riga, Warschau oder gar Moskau anzufliegen, ist eher etwas für Geschäftsleute.

Linienbusse sind auch nicht jedermanns Geschmack, und die Reanimierung der chronisch defizitären Fährpassage von Sassnitz nach Baltijsk ist zwar im Gespräch – doch solche Gespräche, jeder länger mit dem Thema Kaliningrad Befasste weiß das, solche Gespräche können dauern.

Bleibt Nicht-Autofahrern eigentlich nur die Bahn, um Kant, den Elchen und der Kurischen Nehrung näher zu kommen. Der Mini-Zug ist zwar durch das mehrfache Umrangieren und umständliche Grenzkontrollen arg langsam.

Allein am Grenzübergang Mamonowo wartet der Reisende fast zwei Stunden in der botanisch hochinteressanten, sonst freilich recht ereignisarmen Wildnis der EU-Außengrenze, um erst Polens, dann Russlands Wächtern Pass und Visum vorzuzeigen.

Aber man sitzt und schläft wenigstens bequem in den wohnlich eingerichteten Abteils. Tee gibt’s aus dem Samowar, und ein bisschen Ost(preußen)-Nostalgie reist im Kaliningrad-Kurswagen auch immer mit.

Dass er zwischendurch immer mal wieder auf dem Abstellgleis landete in den mittlerweile fast zwei Jahrzehnten seines Bestehens, liegt vor allem daran, dass sich jeweils drei Länder respektive Staatsbahnen über Fahrplan und Procedere einigen müssen.

Technisch ist das eigentlich nicht schwierig: Der Zug verkehrt durchgängig, da Kaliningrad als einzige russische Stadt über einen Gleisanschluss der europäischen Spurweite verfügt.

Politisch waren die Verhandlungen schon schwieriger, auch wenn die polnische Bahn ihren Entschluss, den Kurswagen nicht mehr zu transportieren, auch zuletzt wieder mit wirtschaftlichen Argumenten begründete: Der Königsberg-Express rechne sich schlichtweg nicht.