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| Die Proteste gegen das Exklaven-AKW laufen schon seit geraumer Zeit (Foto: tp/.rufo) | |
Dienstag, 06.10.2009
AKW Kaliningrad: Gegner wie Investoren machen mobil
Kaliningrad. Die Proteste gegen den Bau eines 5 Mrd. Euro teuren Atomkraftwerkes im Gebiet Kaliningrad nehmen zu. Doch die Behörden zeigen sich davon ungerührt. Potenzielle Investoren stehen dafür schon Schlange.
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Das Atomkraftwerk "Baltijskaja" scheint nun beschlossene Sache. Premier Wladimir Putin unterzeichnete in der vorigen Woche die Verfügung über den Bau des 2300-Megawatt-Meilers im Kreis Neman (Ragnit) hundert Kilometer von Kaliningrad: Die Regierung hat das entsprechende Angebot der staatlichen Atombehörde Rosatom damit de facto angenommen.
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Doch nun laufen sich auch die Atomgegner warm. Fast zeitgleich mit der Unterzeichnung des Bauauftrages begann im Gebiet Kaliningrad eine Unterschriftensammlung gegen das Projekt. Vor allem in der unmittelbaren Umgebung des geplanten Standortes, in den Kreisen Neman (Ragnit), Sowjetsk (Tilsit) und Krasnosnamensk (Lasdehnen), lehnen große Teile der Bevölkerung das Atomkraftwerk ab.
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Dort haben sich Protestgruppen gebildet, auf den Unterschriftenlisten sollen schon hunderte Namen stehen. Man werde sie an Präsident Dmitri Medwedew schicken, kündigt EkoSaschtschita an.
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| Die "Demo-Version" des umstrittenen Kraftwerks (Foto: tp/.rufo) | |
"Grüner Protest" der Versuchskaninchen Die regionale Umweltschutzorganisation unterstützt die örtlichen Anti-Atom-Initiativen, die sich jetzt zu einem gemeinsamen "grünen Protest" zusammengeschlossen haben. „Wir sind kategorisch gegen ein Atomkraftwerk im Kaliningrader Gebiet und wollen hier nicht zu Versuchskaninchen der Atomindustrie werden", heißt es in einer Presseerklärung von EkoSaschtschita.
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Nicht jedes geplante und beschlossene AKW sei am Ende auch wirklich gebaut worden, die öffentliche Meinung müsse bei solchen Projekten auch eine Rolle spielen. Darum sei der Protest sinnvoll und nötig.
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In einer Umfrage, die das Staatliche Kaliningrader Soziologiezentrum Mitte Mai im Gebiet durchführte, waren 43 Prozent der Befragten gegen den Bau des AKW. 19 Prozent sprachen sich dafür aus, weitere 26 Prozent hätten nichts dagegen, wenn das Kraftwerk "allen technischen und ökologischen Normen und Erfordernissen entspricht".
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Stromkrise nur vorgeschoben? Bislang gilt eine drohende Stromkrise in Russlands Ostsee-Exklave als Hauptargument für den Bau des Kernkraftwerks. So begründet es auch Rosatom: Dem Gebiet Kaliningrad stehe nach dem Abschalten des litauischen AKW Ignalina mittelfristig ein Defizit in der Energieversorgung bevor.
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| Bisher Russlands einziges AKW an der Ostsee: Sosnowy Bor (Foto: jw/SPZ) | |
Doch dieses Argument ist umstritten. Fachleute haben belegt, dass sich das Energieproblem auch mit einer weiteren Gaspipeline aus Kernrussland in die Exklave an der Ostsee lösen ließe: Das gasbefeuerte Kaliningrader Großkraftwerk TEZ 2 wäre bei einem entsprechenden Ausbau durchaus in der Lage, die Stromlücke zu schließen.
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Die Atomgegner werfen den Moskauer Atomstrategen denn auch vor, die Öffentlichkeit mit dem "vorgeschobenen" Argument einer drohenden Energiekrise zu verunsichern, um eine Pro-Stimmung für das AKW zu schaffen. Der jährliche Strombedarf der Provinz liege perspektivisch bei rund 3,5-3,8 Mrd. Kilowattstunden. Das AKW produziere aber das Vierfache dieser Menge.
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Vorwurf: Stromexport in die EU geplant "Es geht hier gar nicht um unsere Stromversorgung. Es geht um den Verkauf von Energie in den Westen", sagt Alexandra Koroljowa, Aktivistin von EkoSaschtschita. "Wir werden mit diesem Atomkraftwerk die Wirtschaft in Europa unterstützen, und das ökologische und technische Risiko trägt ganz allein die Bevölkerung vor Ort, ohne irgendeine Sicherheit garantiert zu bekommen. Das lehnen wir ab und werden die Bürger in ihrem Widerstand unterstützen."
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Deren Mut wünschte sich Alexandra Koroljowa auch von den örtlichen Behörden. Doch die Verwaltungen und Abgeordneten der betroffenen Rayons stehen unter heftigem Druck, räumt die Umweltaktivistin ein. "Wir wissen von drohenden Anrufen aus Moskau." Die Stadtvertretung in Sowjetsk hat schon eine öffentliche Anhörung zum Atomkraftwerk abgesetzt.
Erster Block soll schon 2015 ans Netz Die Planungen für das AKW "Baltiskaja" 15 Kilometer östlich der Stadt Neman unmittelbar an der russisch-litauischen Grenze laufen unterdessen weiter - ungeachtet aller Proteste. Demnach soll der erste Block des Meilers mit einer Leistung von 1150 Megawatt im Jahr 2015 ans Netz, der zweite bis 2018, bestückt jeweils mit modifizierten WWER-Druckwasserreaktoren.
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Die Gesamtinvestition des westlichsten Kernkraftwerk Russlands gibt Rosatom mit 5 Mrd. Euro an. Baltiskaja soll überdies das erste AKW des Landes werden, an dem sich ausländisches Kapital beteiligen kann - mit bis zu 49 Prozent.
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Westliche Energiekonzerne sind interessiert Und an potenziellen Investoren mangelt es im Westen offensichtlich nicht. Vorige Woche meldete Ria Novosti, der italienische Energiekonzern Enel habe sein Interesse an dem Projekt bekundet und verhandele bereits mit dem russischen Unternehmen Inter RAO EES über die konkrete Form der Zusammenarbeit.
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Auch die deutsche ENBW und die spanische Iberdrola-Gruppe stehen bereits mit Inter RAO EES, die für die Finanzierung des Atomkraftwerks zuständig ist, in Verhandlung.
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Interesse an einer Beteiligung gibt es ebenso aus Italien (Ansaldo) und Litauen. Auch das russisch-französische Energie-Joint-Venture Alstrom-AtomEnergoMasch hat sein Angebot abgegeben.
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